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Achtsamkeit für den Darm: So wirksam ist Hypnose bei Reizdarm

29. April 2021  

Das Reizdarmsyndrom (Irritable bowel syndrome, IBS) ist eine funktionelle gastrointestinale Störung, welche sich durch vielfältige Verdauungsbeschwerden wie Schmerzen, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung bemerkbar macht. Weltweit leiden etwa 11 % der Bevölkerung an einem Reizdarm, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer (1,2). Die üblichen Behandlungsmethoden bestehen aus einer Ernährungsumstellung oder Probiotikaeinnahme. Die wirkungsvollste Ernährung zur Behandlung von Symptomen eines Reizdarmsyndroms ist die LOW-FODMAP Diät (3). Eine weitere noch wirksamere Methode bietet jetzt die Hypnosetherapie (Bauchhypnose oder Darmhypnose) – und das ist sogar wissenschaftlich belegt (4).

Diagnose Reizdarmsyndrom – die Ursache ist oft unbekannt

Die genauen Ursachen des Reizdarmsyndroms sind nicht vollständig geklärt. Abhängig davon, welche Symptome im Vordergrund stehen, wird das Reizdarmsyndrom in vier Typen unterteilt: Der Durchfalltyp, der Verstopfungstyp, der Schmerztyp und der Blähungstyp. Neben diesen vier Haupttypen treten auch Mischtypen auf. Mögliche Ursachen können z.B. Nahrungsmittelunverträglichkeiten sein, aber ein Ungleichgewicht des Darm-Mikrobioms (Dysbiose) kann zu einem Reizdarm beitragen. Gerät das natürliche Gleichgewicht der Bakterien im Darm aus der Balance, kann das die Darmfunktion beeinträchtigen. Häufig wird ein Reizdarm aber auch durch Stress oder psychische Probleme ausgelöst bzw. verschlimmert (5). Kein Wunder, denn unser Darm steht in direkter Kommunikation mit unserem Gehirn.

Leben mit Reizdarm: So bekommst du deine Probleme in den Griff, ein Interview mit Britta vom Blog „Leben mit Reizdarm“.

Die Darm-Hirn Kommunikation

Die Wissenschaft hat schon lange herausgefunden, dass unser Gehirn mit unserem Darm, über die Darm-Hirn-Achse, kommuniziert – und umgekehrt. Einer der Hauptwege für diese Kommunikation ist ein Nerv, der sich über die Länge unseres Körpers erstreckt und unsere Körperorgane (einschließlich unseres Darms) direkt mit unserem Gehirn verbindet. Dieser wird als Vagusnerv bezeichnet und fungiert als Schnellstraße über den das Gehirn Signale an den Darm und der Darm Signale an das Gehirn sendet. So kann es vorkommen, dass wenn wir uns gestresst oder ängstlich fühlen, uns das ganz schön auf den Darm schlägt. Insbesondere beim Reizdarmsyndrom lösen oft bereits minimale psychische Reize starke Darmaktivitäten aus. (6) Und hier kommt die Hypnose ins Spiel.

So smart ist dein Darm! Erfahre mehr über die Kommunikation zwischen Darm und Gehirn. 

Hypnose ist eine Methode, mit der Menschen sich selbst oder andere in einen entspannten Bewusstseinszustand versetzen

Hypnose, was ist das überhaupt?

Eine Hypnose ist eine Methode, mit der Menschen sich selbst oder andere in einen entspannten Bewusstseinszustand versetzen. Die sogenannte Hypnotherapie hat sich bei der Behandlung verschiedenster Beschwerden bewährt. In der Psychologie wird die Hypnotherapie zur Behandlung von Ängsten, Depressionen, Zwängen und Essstörungen angewandt. Auch Süchte (z. B. Rauchen) und chronische Schmerzen lassen sich damit gut behandeln. (7,8)

Was ist eine Darmhypnose? (gut directed hypnosis)

Die Darmhypnose wird mittlerweile in den nationalen und internationalen Leitlinien zur Therapie des Reizdarmsyndroms empfohlen. Sie setzt als einzige ursächliche Therapie direkt an der Darm-Hirn-Achse an und behebt dort fehlerhafte Verknüpfungen. Im Gegensatz zu anderen Maßnahmen werden mit der Darmhypnose auch die Ursachen und nicht nur die Beschwerden des Reizdarmsyndroms beachtet. 

Wie funktioniert eine Darmhypnose?

Die Darmhypnose kann entweder gemeinsam mit einem Therapeuten durchgeführt werden oder als Alternative zur Selbstanwendung mit einem passenden Audioprogramm. In Studien wurde belegt, dass sowohl die therapeutengestützte als auch die Selbstanwendung der Darmhypnose bei Reizdarmpatienten zu ähnlich positiven Ergebnissen führt (11).

Die Wirksamkeit der Bauchhypnose beim Reizdarmsyndrom

Der Einsatz einer spezifischen Bauchhypnose zur Behandlung des Reizdarmsyndroms wurde erstmals in den 1980er Jahren entwickelt. Dabei wurde bereits vermutet, dass hinter Reizdarmbeschwerden psychosomatische Ursachen stecken. Der Gastroenterologe Prof. Peter Whorwell behandelte Patienten mit Hypnotherapie.

Den Hypnosepatienten wurde im Rahmen von 12 Sitzungen suggeriert, dass ihr Magen-Darm-Trakt ruhig und rhythmisch funktioniert und sie die Kontrolle über ihre Verdauung übernehmen. Dadurch wurden nicht nur die Schmerzüberempfindlichkeit des Magen-Darm-Traktes, sondern auch die Darmbewegungen positiv beeinflusst und beruhigt. Zur Überraschung der Wissenschaftler konnte die Hypnotherapie Bauchschmerzen, Blähungen und das generelle Wohlbefinden bei ca. zwei Drittel der Patienten deutlich bessern. Wie Untersuchungen zeigten, hält dieser positive Erfolg der Hypnotherapie über Monate an (12).

Inzwischen liegen Studien vor, die zu ähnlichen, positiven Ergebnissen kommen, was unter anderem dazu geführt hat, dass die Hypnose zur Behandlung des Reizdarmsyndroms empfohlen wird. (9,10)

70 Prozent sprechen positiv auf die Behandlung mit Hypnotherapie an

Die Wirksamkeit von Hypnotherapie wurde auch von einer Studie der Medizinischen Universiät Wien, welche im Fachmagazin “International Journal of Molecular Sciences” erschienen ist, bestätigt. Auf die psychosomatisch ganzheitliche Behandlung des Reizdarmsyndroms mit Hypnose sprachen laut der Studie zufolge bis zu 70 Prozent der Behandelten positiv an. Bei rein symptomatischen oder probiotischen Ernährungstherapien war dieser Prozentsatz deutlich geringer. (4)

Bauchhypnose – Entspannung für die Darm-Hirn-Achse

Darm und Nervensystem stehen über die sogenannte Darm-Hirn-Achse in ständigem Austausch

Zwischen Darm und Hirn werden permanent Nervensignale gesendet, die uns unter anderem signalisieren, wann wir hungrig sind oder wann wir zu viel gegessen haben – um nur zwei von zahllosen Verbindungen zu nennen. Andererseits hat unser seelisches Befinden auch einen direkten Draht zur Verdauung: So kann plötzliche Angst einen Stuhldrang auslösen und Stress kann zu Übelkeit führen. Insbesondere beim Reizdarm-Syndrom lösen oft bereits minimale psychische Reize starke Darmaktivitäten aus. 

Die Bauchhypnose gilt heute als anerkannte medizinische Entspannungstechnik, die ihre Effektivität im Rahmen verschiedener wissenschaftlicher Studien unter Beweis gestellt hat. Natürlich ist die Hypnose kein Allheilmittel, aber ein nebenwirkungsfreier Weg, um die Symptome von Verdauungsbeschwerden zu lindern.

Eine weitere spannende Möglichkeit, um Linderung zu schaffen ist übrigens Yoga. Hierzu haben wir einen spannenden Artikel mit der promovierten Mikrobiologin und Yogalehrerin Eva Maria Hoffmann-Gombotz: Om, für das Mikrobiom – So gesund ist Yoga für deinen Darm

References

  1. Endo Y., Shoji T., Fukudo S. Epidemiology of irritable bowel syndrome. Ann. Gastroenterol. 2015;28:158–159
  2. Kim YS, Kim N. Sex-Gender Differences in Irritable Bowel Syndrome. J Neurogastroenterol Motil. 2018;24(4):544-558. doi:10.5056/jnm18082
  3. Martin Storr: Der Ernährungsratgeber zur FODMAP-Diät. Die etwas andere Diät bei Reizdarm, Weizenunverträglichkeit und anderen Verdauungsstörungen. Zuckschwerdt Verlag
  4. Peter J, Fournier C, Keip B, Rittershaus N, Stephanou-Rieser N, Durdevic M, Dejaco C, Michalski M, Moser G. Intestinal Microbiome in Irritable Bowel Syndrome before and after Gut-Directed Hypnotherapy. Int J Mol Sci. 2018 Nov 16;19(11):3619. doi: 10.3390/ijms19113619. PMID: 30453528; PMCID: PMC6274728.
  5. Ohman L, Simrén M. Pathogenesis of IBS: role of inflammation, immunity and neuroimmune interactions. Nat Rev Gastroenterol Hepatol. 2010;7(3):163-73.
  6. Breit, S., Kupferberg, A., Rogler, G. & Hasler, G. .Vagus Nerve as Modulator of the Brain-Gut Axis in Psychiatric and Inflammatory Disorders. Front. Psychiatry 9, 44–44 (2018).
  7. Kossak, Hans-Christian: Hypnose: Lehrbuch für Psychotherapeuten und Ärzte. Mit Online Materialien, 3. Auflage, Beltz Verlag, 2013
  8. Revenstorf, D. & Burkhard, P.: Hypnose in Psychosomatik und Medizin: Manual für die Praxis, 3. Auflage, Springer Verlag, 2015
  9. Shahbazi K, Solati K, Hasanpour-Dehkordi A., Comparison of Hypnotherapy and Standard Medical Treatment Alone on Quality of Life in Patients with Irritable Bowel Syndrome: A Randomized Control Trial., J Clin Diagn Res. 2016 May;10(5):OC01-4. doi: 10.7860/JCDR/2016/17631.7713
  10. Miller V, Carruthers HR, Morris J, Hasan SS, Archbold S, Whorwell PJ, Hypnotherapy for irritable bowel syndrome: an audit of one thousand adult patients, Aliment Pharmacol Ther. 2015 May;41(9):844-55
  11. Rutten JMTM, Vlieger AM, Frankenhuis C, George EK, Groeneweg M, Norbruis OF, Tjon A Ten W, van Wering HM, Dijkgraaf MGW, Merkus MP, Benninga MA, Home-Based Hypnotherapy Self-exercises vs Individual Hypnotherapy With a Therapist for Treatment of Pediatric Irritable Bowel Syndrome, Functional Abdominal Pain, or Functional Abdominal Pain Syndrome: A Randomized Clinical Trial, JAMA Pediatr. 2017 May 1;171(5):470-477
  12. Moser G, Trägner S, Gajowniczek EE, Mikulits A, Michalski M, Kazemi-Shirazi L, Kulnigg-Dabsch S, Führer M, Ponocny-Seliger E, Dejaco C, Miehsler W., Long-term success of GUT-directed group hypnosis for patients with refractory irritable bowel syndrome: a randomized controlled trial, Am J Gastroenterol. 2013 Apr;108(4):602-9,

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