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Kleine Helfer, große Folgen

18. November 2018  

Auf uns und in uns wimmelt es nur so von Bakterien! Doch was bewirken diese kleinsten Mitbewohner in unserem Körper?

Die Mikrobiota – das ist die Gesamtheit aller im Körperlebenden Bakterien, Viren, Pilze und Archaeen (Urbakterien) – spielen einewesentliche Rolle in den verschiedensten Bereichen für uns. Angefangen, bei der Unterstützung der Verdauung, dem Trainieren des Immunsystems, bis hin zur Regulierung des Geschmackssinns und der Beeinflussung unserer Stimmung – hier und in noch viel mehr Bereichen drehen die Bakterien am Rad.

Aber eins nach dem anderen, jetzt wollen wir uns das mal inRuhe anschauen. Bevor es losgeht, sollten wir aber unbedingt noch den zentralen Begriff „Mikrobiom“ definieren!

Jede Zelle, egal ob menschlich, pflanzlich oder bakteriell trägt eine spezifische DNA. Die DNA ist im Kern jeder Zelle eines Lebewesens zu finden und kann bis zu zwei Meter lang sein, würde man sie der Länge nach auflegen. In den meisten Mikroorganismen ist die DNA nicht im Zellkern, sondern liegt „einfach so“ frei. Diese DNA beinhaltet alle Informationen zur Entwicklung und Funktion jeder Zelle. Sie ist also eine Art Bauplan und einzigartig für jeden Menschen und Mikroorganismus.

Alle Funktionen, die ein Bakterium erfüllen muss, also zum Beispiel Zuckermoleküle abbauen, sind hier in dieser DNA in Form von Genen gespeichert. Ein Bakterium kann unglaublich viele Gene tragen. (Es muss ja auch unglaublich viele Dinge erledigen!) Die Gesamtheit aller Gene der im Körper lebenden Bakterien, Pilze und Viren sind das Mikrobiom. Also ist das „Mikrobiom“ eine riesige Sammlung von Genen aller Mikroorganismen.(1)

Wie also beeinflusst uns dieses Mikrobiom?

Darm

Das prominenteste Beispiel ist der Darm! Genauer gesagt eigentlich der ganze Verdauungstrakt, also von Mund bis Anus. Überall von oben bis unten, sind wir dort mit Mikroorganismen besiedelt. Aber der Aufbau dieser Flora, also wo welche Bakterien sitzen und was sie dort bewirken, variiert stark abhängig davon wo im Verdauungstrakt wir uns befinden. Die meisten Bakterien hausen im Dickdarm (auch Kolon genannt) und hier spielen sie vermutlich auch die größte Rolle. Dort zersetzten die Bakterien Stoffe, vor allem Ballaststoffe, die wir nicht weiter verdauen können und machen sie so für uns verfügbar. Ohne die Hilfe der Bakterien, wären wir komplett abgemagert! Außerdem stellen manche Bakterien für uns notwendige Vitamine her, wie zumBeispiel Vitamin B7. Zusätzlich „pflegen“ einige Bakterien unsere Darmschleimhaut indem sie Stoffe herstellen, die unsere Darmzellen brauchen um gesund zu bleiben.(2)

Immunsystem

Ganz besonders spannend wird es, wenn es um das Immunsystem geht. Man könnte meinen, das Immunsystem wäre dankbar, wenn es nicht so viele Bakterien im Darm gäbe, immerhin sind das alles „Fremdlinge“. Aber nein! Diese Bakterien helfen das Immunsystem zu trainieren! Bereits beim Säugling, lernt das Immunsystem, dass nicht alles was von außen kommt, schädlich ist. DerKörper lernt zwischen schädlichen und „normalen“ unschädlichen Mikroorganismen zu unterscheiden. Erstere lernt er zu bekämpfen und zweitere zu tolerieren – das ist unglaublich wichtig! Außerdem nehmen die „guten“ Bakterien den Platz im Darm für sich ein und lassen so weniger Raum für schädliche Keime übrig. Würden wir dieses Training mit fremden Zellen und Stoffen nicht erhalten, würde unser Immunsystem permanent überreagieren, also Allergien und Autoimmunerkrankungen entwickeln, und könnte echte Krankheitserreger nicht ausreichend bekämpfen.(3)

Körpergewicht

Eine neuere Erkenntnis zeigt den Einfluss der Mikroorganismen auf das Körpergewicht einer Person. Übergewichtige Menschen haben ein deutlich anders aufgebautes Mikrobiom als Normalgewichtige. Besonderen Einfluss macht die „Diversität“ des Mikrobioms aus – ein Begriff der uns noch öfter begegnen wird. Das bedeutet je mehr verschiedene Bakterien sich in deinem Darm befinden, desto besser. Denn diese Diversität bedeutet, dass das Mikrobiom besonders viel kann und gleichzeitig gibt es weniger Platz für schädliche Mikroorganismen. Schädliche Bakterien können nämlich mit ihren Stoffwechselprodukten zum Beispiel unseren Blutzuckerspiegel beeinflussen und so das Hungergefühl und den Aufbau von Fettgewebe mitsteuern. Die Devise lautet also, ein möglichst diverses Mikrobiom zu haben! Wie das geht, erfährst du im nächsten Blog-Beitrag und in vielen unserer Rezepte.(4)

Stimmung

Noch überraschender ist diese Erkenntnis: Das Mikrobiom wirkt sich auch auf unsere Stimmung und unser Gemüt aus! Wie genau das funktioniert, ist noch nicht abschließend geklärt, aber Folgendes weiß man bereits. Menschen mit psychischen Erkrankungen, wie Angststörungen oder Depressionen, haben ein verändertes Mikrobiom und das scheint entscheidend an der Entstehung der Krankheit beteiligt zu sein. Außerdem weiß man, dass die Bakterien im Darm Botenstoffe produzieren, die sich auf die Zellen der Darmschleimhaut auswirken. Es gibt eine Übersetzung von diesem „Gesagten“ der Bakterien bis ans Gehirn. Übrigens gibt es mehr Nerven, die vom Bauch zum Gehirn laufen als umgekehrt – das heißt der Darm sagt dem Gehirn, wie es ihm geht. Es gibt weniger Nerven vom Gehirn, die dem Darm sagen, was er tun soll. Dein Bauch arbeitet also ziemlich selbstständig und teilt sich dauernd dem Gehirn mit. Das Bauchgefühl schlägt sich also tatsächlich auf die Stimmung aus!(5)

Fun Facts

Und zum Abschluss noch ein paar Fun Facts! Die Bakterien auf unserer Haut spielen eine große Rolle bei der Bildung unseres ganz persönlichen Geruchs, denn sie verarbeiten Stoffe, die auf unserer Haut oder in unseren Poren liegen und bilden so neue Duftstoffe. Dieser persönliche Geruch, den wir oft gar nicht bewusst wahrnehmen, ist entscheidend wenn es darum geht ob man eine andere Person sympathisch findet oder eben nicht. Die Bakterien entscheiden also mit, ob man jemanden riechen kann! (6)

Die Bakterien auf der Zunge beeinflussen auch was wir schmecken. Sie spalten nämlich Nahrungsbestandteile und dabei werden neue Geschmacksstoffe frei, die man dann erst bemerkt. Da jeder eine andere Zusammensetzung an Bakterien im Mund hat, schmeckt dasselbe für jeden ein wenig anders. Bei der Beschreibung eines Weins, erzählt also jeder welche Bakterien in seinem Mund sitzen und nicht was wirklich für jeden im Wein ist!(7)


(1) Qin J, Li R, Raes J, et al. A human gut microbial gene catalogueestablished by metagenomics sequencing. Nature. 2010; 464(7285):59-65.

(2) Wang J, Jia H. Metagenome-wideassociation studies: fine-mining the microbiome. Nat Rev Microbiol.2016;14(8):508-22.

(3) Belkaid Y, Hand TW. Role of themicrobiota in immunity and inflammation. Cell. 2014;157(1):121-41.

(4) Lechatelier E, Nielsen T, Qin J, et al. Richness of human gut microbiome correlates with metabolic markers. Nature.2013;500(7464):541-6.

(5) Martin CR, Osadchiy V, Kalani A,Mayer EA. The Brain-Gut-Microbiome Axis. Cell Mol Gastroenterol Hepatol.2018;6(2):133-148.

(6) Grice EA, Segre JA. The skinmicrobiome. Nat RevMicrobiol. 2011;9(4):244-53.

(7) Zaura E, et al. Front Cell Infect Microbiol.2014;4:85. Published 2014 Jun 26. doi:10.3389/fcimb.2014.00085

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