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Wie funktioniert eigentlich unsere Verdauung?

Oder auf den Punkt gebracht: Wie geht kacken?

Die Wenigsten reden darüber, dabei machen es die Meisten von uns jeden Tag oder zumindest jeden zweiten. Für viele gehört es zur Morgenroutine dazu. Kacken! Warum dieses wichtige Thema ein Tabu für viele Menschen ist, verstehen wir nicht. Wir gehen ins Detail und schauen uns genau an, wie die Verdauung eigentlich funktioniert. Was passiert da in uns bevor wir auf die Toilette gehen? Wann und wo beginnt die Verdauung? Für uns ein Lieblingsthema und für dich hoffentlich bald auch. 

Die kleinen Helfer in dir: deine Darmbakterien

Bevor wir auf das Thema Verdauung genauer eingehen, solltest du wissen, dass über 90% der zu uns genommenen Lebensmitteln von unseren Darmbakterien aufgenommen, gespalten und umgebaut werden. Jedes Bakterium übt unterschiedliche Funktionen aus. Einige produzieren Vitamine, andere beteiligen sie sich am Kohlenhydrat-, Fett- oder Eiweißstoffwechsel. Sie unterstützen uns bei der Verdauung und der Nährstoffaufnahme. Außerdem helfen uns unsere Darmbakterien bei der Energieversorgung, der Regeneration des Darms und kontrollieren den Stofftransport (1).

Unser Verdauungssystem ist ein komplexes und kluges Zusammenspiel unseres Körpers und unseren Darmbakterien. Unser Körper hat zwei Stoffwechselsysteme. Wenn unser Körpereigener Stoffwechsel bestimmte Nährstoffe nicht verwerten kann, hilft uns jener der Bakterien.

Bereits beim Gedanken an Essen, beginnen wir Magensäure & Speichel zu produzieren.

Stellen wir uns gedanklich vor, dass wir ein belegtes Käsebrot essen. Interessanterweise beginnen wir schon, allein mit dem Gedanken an unseren Snack, Magensäure und Speichel zu produzieren. Daher kommt die Redewendung: „Mir läuft das Wasser im Munde zusammen, wenn ich nur daran denke.“ Unser Körper bereitet sich so auf die Mahlzeit vor.

Gut gekaut ist halb verdaut – hier beginnt die Verdauung!

Ab dem Moment, in dem wir in das belegte Brot beißen, geht es schon los: durch das Kauen wird unser Essen zu einem Brei. Antikörper und Lysozyme führen die Desinfektionsarbeit durch und Mucine (=Schleimstoffe) machen unseren Brei schleimig und schluckbereit.

Kohlenhydrate, Proteine und Fette werden unterschiedlich verdaut

Die alpha-Amylase Ptyalin ist ein Enzym, welches im Mund durch den dort vorhandenen Hydrogencarbonat-Puffer (pH-Wert= 7-8) aktiv bei der Nährstoffverarbeitung mitwirkt. Die Kohlenhydratverdauung beginnt somit schon im Mund. Wir verdanken dem Hydrogencarbonat-Puffer, dass saure Lebensmittel unseren Zahnschmelz nicht angreifen. Da im Magen jedoch ein viel säuerliches Milieu herrscht (pH-Wert=1) ist die alpha-Amylase Ptyalin im Magen inaktiv. Jedoch ist das saure Milieu im Magen wichtig, denn die dortige Salzsäure wirkt antibakteriell. Gut, dass im Speichel die sogenannte Zungengrundlipase vorhanden ist, denn sie liebt das säuerliche Milieu im Magen und hilft dort bei der Fettverdauung mit. Im Mund findet noch keine Fettverdauung statt. (2)

Nun läuft der Brotbrei weiter durch die telefonkabelartige Speiseröhre auf die rechte Seite des Magens. Im Magen wird durch Muskelaktivität unser Brei zerkleinert. Es beginnt die Proteinspaltung: die vorhin schon erwähnte Salzsäure aktiviert Pepsinogene zu Pepsinen und das dreiwertige Eisen wird zu zweiwertigem Eisen reduziert. (Für die Chemieinteressierten: Fe3+ -> Fe2+). Pepsine wandeln Proteine und Polypeptide zu Peptiden um.

Im nächsten Schritt kommen nun die Zungengrundlipase und gastrische Lipase ins Spiel und helfen bei der Fettverdauung im Magen. Noch etwas ganz Wichtiges passiert: der Intrinsic-Faktor (=Glykoprotein) bindet sich an Vitamin B 12. Wieso ich das extra erwähne? Nur so kann Vitamin B 12 in den Dünndarm aufgenommen werden. Vitamin B 12 ist ein für uns wichtiges Coenzym, das zusammen mit Folat bei der Regulierung von der Homocysteinkonzentration im Blut beteiligt ist. Dieses Zusammenspiel von Folat und Vitamin B 12 ist essentiell für die Zelldifferenzierung- und teilung – z.B. bei der DNA-Synthese und der Blutbildung.

Der Dünndarm besteht aus drei Abschnitten: Zwölffingerdarm, Leerdarm und Ileum.

Wie geht es mit dem Dünndarm

Nach dem Magen kommt die Nahrung zuerst in den Dünndarm. Dieser besteht aus drei Abschnitten: Duodenum (Zwölffingerdarm), Jejunum (Leerdarm) und Ileum (Krummdarm). Im Zwölffingerdarm kommen nun auch Gallensäure- und Bauchspeichel-Gang hinzu. (3)

Der gesamte Darm ist von Blutgefäßen umgeben, die Nährstoffe aufnehmen und wegführen. Die Blutgefäße enden in der Portalvene, welche zur Leber führt. Unsere Leber ist unser zentrales Stoffwechselorgan und liebt es Nährstoffe zu speichern, um sie für uns griffbereit zu haben. Nachdem der im Dünndarm zerlegte Zucker durch die Darmwand wandert, nimmt sich unsere Leber viel Glukose (=Zucker) und speichert jene als langkettiges Kohlenhydrat (Glykogen). Darauf können wir bei Bedarf später zurückgreifen und wieder als Zucker und Energiequelle verwerten. Die restliche Glukose “schwimmt” in den allgemeinen Blutkreislauf. In der Nacht, wenn wir schlafen versorgt uns die Leber bei Bedarf mit Zucker und schützt uns nach dem Essen vor einer Überzuckerung. (2)

Was es mit dem Insulin auf sich hat

(Ein kleiner Side Fact: Sobald Zucker ins Blut gelangt, wird das Hormon Insulin, welches in den ß-Zellen der Langerhans-Inseln im Pankreas (=Bauchspeicheldrüse) produziert wird, ausgeschüttet. Wie ein Schlüssel sperrt Insulin Zellen auf, um den Zucker reinzulassen. Deshalb sinkt der Blutzuckerspiegel – durch Insulin. Der Pankreas agiert wie ein Blutzuckermessgerät. Je mehr und einfacher der Zucker ist, den wir essen, desto mehr Insulin muss produziert und ausschüttet werden. Daher sind komplexe Kohlenhydrate wichtiger Bestandteil einer gesunden Ernährung, weil es komplizierter, energie- und zeitaufwändiger für Enzyme ist, solche Kohlenhydrate zu spalten.  Bei komplexen Kohlenhydraten kommt es so zu einem langsamen Blutzuckeranstieg und zu einem längeren Sättigungsgefühl. Zu den komplexen Kohlenhydraten zählen Stärke (Getreide, Kartoffeln), Glykogen (=Speicherkohlenhydrat in der Leber und der Muskulatur) und Ballaststoffe (Hülsenfrüchten, Nüsse, Gemüse, Obst). Zusätzlich wird Insulin auch bei Fett- und Eiweißaufnahme ausgeschüttet, jedoch reagiert es am stärksten bei einem Blutzuckeranstieg. (2) In unserem Darm leben Darmbakterien, die eigene Enzyme produzieren, die uns bei dieser Kohlenhydratspaltung helfen.

Eine weiter Funktion unserer Leber ist die Produktion von Gallenflüssigkeit. Die Gallenflüssigkeit wird in der Gallenblase aufbewahrt. Die Gallensäure neutralisiert durch Hydrogencarbonat die Salzsäure. Durch Gallensalze, die in der Leber aus Cholesterin hergestellt werden, und Phospholipide bilden sich im Zwölffingerdarm Micellen (=Fetttröpfchen).

Leber und Darm stehen in Verbindung. Diesen Kreislauf nennt man enterohepatischer Kreislauf. Um die 98% der, in der Leber hergestellten, Gallensalze sind hierbei involviert. Andere Substanzen wie Östrogene, Medikamente, Herzglykoside, Vitamin D, Folsäure, Vitamin B9, Vitamin B12, Gallenfarbstoff aus Hämoglobin (ca. 15%) und andere Giftstoffe werden nicht so einfach mit dem Stuhl abtransportiert, sondern wieder aufgenommen. (2) Die Diversität unseres Mikrobioms spielt hierbei eine wichtige Rolle, weil sich ein Mangel an Darmbakterien negativ auf den Leberstoffwechsel auswirken kann (4). Unsere Darmbakterien können nämlich auch die Eigenschaften der Gallensäure beeinflussen und spielen daher eine sehr wichtige Rolle (5).

Die Diversität unseres Mikrobioms spielt eine wichtige Rolle, weil sich ein Mangel an Darmbakterien negativ auf den Leberstoffwechsel auswirken kann.

Und was hat es mit dem Bauchspeichel auf sich? Durch das Hydrogencarbonat wird die Salzsäure neutralisiert und im Duodenum (= Zölffingerdarm) hilft der Bauchspeichel bei der Spaltung von Fett mittels Lipasen. Diese Lipasen wandeln Fett zu freien Fettsäuren und Monoglyceride um. Durch die alpha-Amylase (= jene Amylase, die bereits im Mund Kohlenhydrate spaltet), werden Stärke und Glykogen zu Dextrin und Maltose umgewandelt.

Was bei einer Laktoseintoleranz in uns passiert

Wenn Kohlenhydrate, wie zum Beispiel bei einer Laktoseintoleranz, nicht vollständig verdaut werden können, kann der Milchzucker nicht von den Darmzellen aufgenommen werden und wandert in den Dickdarm. Hier kümmern sich unsere Darmbakterien um den Milchzucker und bauen ihn ab. Dabei entstehen unangenehme Nebenprodukte, was der Grund für Blähungen, Bauchschmerzen und anderen Beschwerden sein kann. (2)

Und was machen Dünndarmsekrete der Mikrovilli? Sie führen das ganze Prozedere zu Ende: sie sorgen dafür, dass unser Essen zu aufnehmbaren Molekülen werden. Jedoch was sind eigentlich Mikrovilli? Um dies zu erklären, machen wir einen kurzen Ausflug zur Dünndarmwand. Sie ist mehrfach gefaltet um eine große Kontaktfläche zu schaffen. Diese Kontaktfläche dient der Aufnahme der Nährstoffbausteine ins Blut. Die Dünndarmfalten besitzen Ausstülpungen, die sogenannten Darmzotten. Diese Zotten besitzen wiederum weitere Fortsätze, die Mikrovilli.

Das Ende der Nahrungsbreireise: Der Dickdarm

Und das Beste kommt zum Schluss: der Dickdarm. Er wird unterteilt in Quercolon, aufsteigendes Colon, Blinddarm mit Wurmfortsatz, absteigendes Colon, Colon sigmoideum und Enddarm (2). (Side Fact: jeder von uns hat einen Wurmfortsatz. In diesem werden vor allem schlechte Keime bekämpft. Bei einer Entzündung jenes spricht man von einer Blinddarmentzündung).

Die Aufgabe des Dickdarms ist es, den Brei vom Dünndarm aufzunehmen, ihn zu Kot einzudicken, indem Wasser und Elektrolyte entzogen werden. Außerdem werden wichtige kurzkettige Fettsäuren, das Futter für unsere Darmbakterien, aufgenommen.  Diese kurzkettigen Fettsäuren, Essig-, Propion- und Buttersäuren, helfen bei der Modulierung von Hunger und Sättigung. Das Salz der Essigsäure bindet an bestimmte Rezeptoren und löst Sättigungsgefühle aus (1). Danach wird der Kot weiterbefördert und im Enddarm gelagert. Schlussendlich wird er ausgeschieden. Hier endet die aufregende Reise für unsere Käsebrot. 😉

Wie wäre es mit einem Haferlocken Porridge mit Flohsamenschalen, Beeren und Kiwi? Ballaststoffe für dein Mikrobiom <3

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass unsere Ernährungsweise Einfluss auf unser Darm-Mikrobiom hat und unser Darm-Mikrobiom Einfluss auf die Verwertung unserer Nahrungszufuhr. Somit wäre es nur fair, unsere Darmbakterien gut zu versorgen und sie mit ihrem Lieblingsfutter zu füttern: den Ballaststoffen.

Wenn du jetzt erfahren willst, wie fleißig deine eigenen Darmbakterien für dich arbeiten, kannst du dein Darm-Mikrobiom mit myBioma analysieren lassen und mehr erfahren. Wir hoffen, dass wir das Thema Verdauung ein bisschen enttabuisieren konnten. Es ist wichtig darüber zu sprechen! Solltest du ernsthafte Probleme haben, empfehlen wir dir mit einem Experten darüber zu sprechen. Schaue dich dafür gerne in unserem Therapeutennetzwerk um. Solltest du Fragen haben, kannst du uns jederzeit über: service@mybioma.com erreichen.

Quellen

1.           Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention (FET) eV.

2.           Elmadfa I. Ernährungslehre: UTB GmbH; 2019.

3.           Silbernagl S, Draguhn A. Taschenatlas Physiologie: Thieme; 2018.

4.           Schneider KM, Trautwein C. Die Darm-Leber-Achse bei nichtalkoholischer Fettlebererkrankung: molekulare Mechanismen und neue Targets. Der Gastroenterologe. 2020;15(2):112-22.

5.           Chiang JYL, Ferrell JM. Bile Acid Metabolism in Liver Pathobiology. Gene Expression. 2018;18(2):71-87.

Entdecke das Verdauungs-Potenzial deines Darm-Mikrobioms

Viele von uns wissen, dass unser Darm-Mikrobiom eine fundamentale Rolle für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden spielt. Aber wusstest du auch, dass wir die Bakterien in unserem Darm „füttern“ müssen? Mit jeder Nahrung die du zu dir nimmst, entscheidest du dich, ob du die guten oder die schlechten Bakterien fütterst.

Ob beim Sport, beim Gassigehen mit dem Hund oder beim Sitzen am Schreibtisch, wir alle brauchen Nahrung, um unseren Körper funktionsfähig zu halten. Die Nahrung, die wir täglich zu uns nehmen, enthält eine Vielzahl von Nährstoffen, wie Eiweiß, Fett, Kohlenhydrate, Vitamine und Mineralien. Dein Dünndarm ist dafür zuständig, diese Nährstoffe geschickt in kleine Partikel zu zerlegen, sodass sie leicht aufgenommen und für eine Vielzahl von Körperfunktionen verwendet werden können.

Aber welche Nährstoffe braucht unser Darm-Mikrobiom?

Es hat sich herausgestellt, dass unsere Darmbakterien vor allem Eiweiß und Kohlenhydrate benötigen, um zu gedeihen. Darmbakterien nehmen eine bestimmte Art von Kohlenhydraten auf, die unser Körper nicht aufspalten kann: Ballaststoffe (1)! Ballaststoffe sind der strukturelle Teil von Pflanzen, die unseren Verdauungssäften gegenüber widerstandsfähig sind (2). Wissenschaftlich formuliert sind es die Bindungen zwischen den Kohlenhydratmolekülen, die von den im Dünndarm verfügbaren Enzymen nicht aufgespalten werden können, sodass die Ballaststoffe unseren Dickdarm relativ unberührt erreichen (3). Und genau hier greifen unsere guten Darmbakterien ein.

Die Darmbakterien verzehren eine bestimmte Art von Kohlenhydraten, die unser Körper nicht aufspalten kann – Ballaststoffe (1)!

Tief in deinem Darm arbeiten unzählige Bakterien unermüdlich daran, die Substanzen, welche die Ballaststoffe zusammenhalten, zu spalten. Das tun sie, indem sie spezielle Enzyme freisetzen, Fasern in einfachere Bestandteile zerlegen und das Energiepotenzial im Inneren freisetzen. Dieser Prozess wird als Fermentation (4,5) bezeichnet. Ein Endprodukt der Fermentation ist die Bildung von kurzkettigen Fettsäuren (SCFA’s) wie Butyrat, Propionat und Acetat (6). Butyrat sorgt für Stabilität der Darmschleimhaut und hält den pH-Wert gering. Man nimmt auch an, dass es entzündungshemmende Eigenschaften in unserem Darm hat (7).

Interessiert es dich, ob dein Darm-Mikrobiom genügend Butyrat produziert? Finde es mit myBioma heraus!

Im Allgemeinen werden Ballaststoffe nach ihrer Fähigkeit, sich in Wasser zu lösen, klassifiziert:

Lösliche Ballaststoffe

Es wird angenommen, dass sich lösliche Ballaststoffe in Wasser auflösen und eine gelartige Substanz bilden, die von den Darmbakterien leicht fermentiert werden kann. Lösliche Ballaststoffe sind hauptsächlich in Pflanzenzellen zu finden. Gute Quellen sind z.B. Äpfel, Bananen und Hafer (5).

Unlösliche Ballaststoffe

Als unlösliche Ballaststoffe werden die strukturellen Teile der pflanzlichen Zellwände bezeichnet, die widerstandsfähiger gegen Fermentation sind (5). Gute Quellen sind in Blattgemüse, Hülsenfrüchten oder Vollkornprodukte.

Wir verstehen heute, dass die Löslichkeit von Ballaststoffen in Wasser nicht die ideale Art und Weise ist, die Fermentierfähigkeit von Ballaststoffen zu verstehen. Wir konzentrieren uns jetzt eher auf “präbiotische” Ballaststoffe, die als selektiv fermentierte Ballaststoffe definiert werden und ein gesundes Mikrobiom unterstützen (4).

Zu den gängigen Arten von präbiotischen Ballaststoffen gehören:

Resistente Stärke entsteht, wenn man stärkehaltige Pflanzenfasern kocht und wieder abkühlen lässt. Kartoffeln, Hülsenfrüchte und Reis sind wichtige Vertreter davon. Diese Stärke kann von den Enzymen im Dünndarm nicht zersetzt werden und gelangt so in den Dickdarm, wo sie Nahrung für die dortigen Bakterien ist. Resistente Stärke ist z.B. in Sushi, kalten gekochten Kartoffeln und Eintöpfen enthalten (8).

Fructane gehören zu den am besten erforschten präbiotischen Fasern. Alle Fructane sind grundsätzlich lange Ketten von Fruktosemolekülen. Kleine Ketten (2 – 9 Moleküle) werden als FOS (Fruktooligosaccharide) bezeichnet, während längere Ketten als Inulin bezeichnet werden. Fructane sind in Getreidearten wie Weizen, Gerste und Roggen, sowie in verschiedenen Obst- und Gemüsesorten wie Knoblauch, Zwiebel oder Wassermelone enthalten. Menschen mit Reizdarmsyndrom sollten vorsichtig sein, denn Fructane könnten ihre können Symptome verschlimmern (9).

Pektin ist ein Strukturbestandteil in den Zellwänden von Pflanzen, der vor allem als Geliermittel in Marmelade verwendet wird. Es hat sich gezeigt, dass Pektin das Wachstum von nützlichen Bakterienarten wie Bifidobacterium longum und Lactobacillus gasseri (10) fördert und im Allgemeinen auch von Menschen mit Reizdarmsyndrom gut vertragen wird. Zu den Nahrungsmitteln, die von Natur aus reich an Pektin sind, gehören Äpfel, Pflaumen und Zitronen (8).

Was passiert, wenn wir nicht genügend Ballaststoffe essen, um unsere Darm-Bakterien gut zu ernähren?

Sie suchen nach alternativen Energiequellen wie Eiweiß oder dem Schleim, der unsere Darmschleimhaut schützt. Während der menschliche Darm von Natur aus Bakterien enthält, die das Eiweiß zur Energiegewinnung lieber in kleinere Partikel (Aminosäuren) zerlegen, können die bei dieser Art der Fermentation entstehenden Stoffwechselprodukte entzündlicher sein, als die bei der Faserfermentation entstehenden.

Es gibt noch viel über unsere Darmbakterien und wie sie zur Gesundheit beitragen können zu lernen – aber eines ist klar: Eine Ernährung, die reich an pflanzlichen Nahrungsmitteln ist, liefert die Ballaststoffe, die benötigt werden, um das Darm-Mikrobiom positiv zu beeinflussen! Tu dir und deinem Darm-Mikrobiom den Gefallen und integriere mehr Obst, Gemüse, Vollkorn, Nüsse, Samen und Hülsenfrüchte in deinen täglichen Speiseplan.

References

1). National Health and Medical Research Council (NHMRC). Nutrient Reference Values for Australia and New Zealand. Commonwealth of Australia (2006)

2). Food Standards Australia and New Zealand.
Standard 1.1.2 – Definitions used throughout the Code.
Canberra: FSANZ (2006)

3). DeVries, J. W. On defining dietary fibre. Proceedings of the Nutrition Society, 62(1), 37-43 (2003). Doi: 10.1079/PNS2002234

4). Slavin, J. Fiber and prebiotics: mechanisms and health benefits. Nutrients, 5(4), 1417-1435 (2013). Doi: 10.3390/nu5041417

5). Williams, B., Grant, L., Gidley, M., & Mikkelsen, D. Gut fermentation of dietary fibres: physico-chemistry of plant cell walls and implications for health. International journal of molecular sciences, 18(10), 2203 (2017). Doi: 10.3390/ijms18102203

6). Ríos-Covián, D., Ruas-Madiedo, P., Margolles, A., Gueimonde, M., de los Reyes-Gavilán, C. G., & Salazar, N. Intestinal short chain fatty acids and their link with diet and human health. Frontiers in microbiology, 7, 185 (2016). Doi: 10.3389/fmicb.2016.00185

7). Cushing, K., Alvarado, D. M., & Ciorba, M. A. Butyrate and mucosal inflammation: new scientific evidence supports clinical observation. Clinical and translational gastroenterology, 6(8), e108 (2015). Doi: 10.1038/ctg.2015.34

8). Stephen, A. M., Champ, M. M. J., Cloran, S. J., Fleith, M., Van Lieshout, L., Mejborn, H., & Burley, V. J. Dietary fibre in Europe: current state of knowledge on definitions, sources, recommendations, intakes and relationships to health. Nutrition research reviews, 30(2), 149-190 (2017). Doi: 10.1017/S095442241700004X

9). Wilson, B., & Whelan, K. Prebiotic inulin‐type fructans and galacto‐oligosaccharides: definition, specificity, function, and application in gastrointestinal disorders. Journal of gastroenterology and hepatology, 32, 64-68 (2017). Doi: 10.1111/jgh.13700

10). Shinohara, K., Ohashi, Y., Kawasumi, K., Terada, A., & Fujisawa, T. Effect of apple intake on fecal microbiota and metabolites in humans. Anaerobe, 16(5), 510-515 (2010). Doi: 10.1016/j.anaerobe.2010.03.005

Therapieresistente Bauchschmerzen und SIBO

…, wenn sich dein (Dickdarm-) Mikrobiom am falschen Platz befindet.

Da unser Wissensstand rund um das Mikrobiom in den letzten Jahren maßgeblich gestiegen ist, ist nun auch der Blick der Forschung immer mehr auf SIBO (engl. small intestinal bacterial overgrowth) gerichtet.

Immer öfter äußert sich die Fehlbesiedlung und Überwucherung von Bakterien im Dünndarm als Krankheitsbild.

Doch was passiert hierbei nun genau? Ist dies eine Antwort auf therapieresistente, unerklärbare Bauchschmerzen? Komm mit und ergründe dieses Thema gemeinsam mit uns!

Eingangs ist zu erwähnen, dass SIBO sich meist ebenso durch unspezifische Beschwerden äußert. Dies kann es schwierig machen, es vom Reizdarmsyndrom zu unterscheiden.

Pathophysiologie (Lehre von den Krankheitsvorgängen und Funktionsstörungen) bei SIBO. (1)

Genauer gesagt handelt es sich dabei um ein “Zuviel” an ungünstigen Bakterien im Dünndarm, was zu Symptomen wie Blähungen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Müdigkeit und Veränderungen beim Stuhlgang führt.

Es kann sogar so weit reichen, dass Fette, Proteine und Mikronährstoffe nicht mehr richtig vom Körper aufgenommen werden (Malabsorption). Zudem begünstigen Operationen, die die Bewegungen des Dünndarms beeinflussen, ein potenzielles Auftreten von SIBO.

Eigentlich enthalten der Magen, sowie der Anfangsteil des Dünndarms nur sehr wenige Bakterien. Die Menge dieser wird zum Großteil von der Magensäure, der Gallenflüssigkeit, von Enzymen (ermöglichen chemische Reaktionen im Körper) und Immunglobulinen (Eiweißmoleküle zur Bekämpfung von Krankheitserregern), sowie von Darmbewegungen (Peristaltik) in Schach gehalten.

Wie im Bild dargestellt, erkennt man deutlich die Steigerung von Bakterien je mehr man sich dem Dickdarm nähert. (2)

Je näher man sich über die „Weiterleitung“ des Dünndarms über die Ileozökalklappe (trennt die beiden Strukturen) dem Dickdarm nähert, desto mehr Bakterien können gefunden werden, die eigentlich im Dickdarm zu Hause sind.

Normale, weiterleitende Darmbewegungen, sowie eine funktionierende Ileozökalklappe sind Voraussetzung, um ein „Rückwärtswandern“ der Bakterien vom Dickdarm in den Dünndarm zu verhindern.

Entstehen kann SIBO also nun entweder durch anatomische, immunologische, sowie enzymatische Probleme, oder, wenn die beiden wichtigsten regulatorischen Mechanismen, Darmbewegungen und Magensäureproduktion, zur Kontrolle der Bakterienzahl im Dünndarm verändert sind.

Diagnosepunkte für SIBO. (1)

Darmkontraktion bezwecken den Weitertransport des Nahrungsbreis, sowie auch von Mikroorganismen. Ist diese Bewegung eingeschränkt, beispielsweise durch bestimmte Medikamente oder Diabetes mellitus, kann das die Fähigkeit des Dünndarms zur Selbstreinigung beeinträchtigen.

Die genaue Definition von SIBO lautet daher: Bakterielle Überwucherung definiert durch eine abnormal hohe Bakterienmenge und gleichzeitig auch das Vorliegen von “falschen” (Dickdarm-) Bakterien im Dünndarm, welche Kohlenhydrate zu Gas fermentieren können.

Des Weiteren kann es dadurch zu einer Schädigung der Schleimhaut des Dünndarms kommen, was dazu führen kann, dass essentielle Bausteine (Kohlenhydrate, Proteine, Fette, Eisen, Vitamin B12) aus der Nahrung nicht mehr aufgenommen werden können.

Diagnose und möglicher Therapiealgorithmus bei Verdacht auf SIBO. (1)

Diese Bausteine dienen nun wiederum den Mikroorganismen als Futter, was in weiterer Folge (durch Fermentierungsprozesse) zu einem Aufgeblähtsein/Blähungen, sauren Stühlen, oder Defiziten in der Nährstoffversorgung führt.

Eine Therapie von SIBO gestaltet sich daher wie folgt:

1. Korrektur zugrundeliegender Erkrankungen oder anatomischer Besonderheiten – sofern dies möglich ist

2. Antibiotikatherapie oder Verwendung von pflanzlichen Substraten

3. Anpassung der Ernährung

Die Reduktion von fermentierbaren Kohlenhydraten ist eine wirksame Adaption der Ernährung, um Symptome zu kontrollieren.

Regelmäßige Bewegung ist unglaublich wichtig für dein Mikrobiom, dein Gehirn und deinen gesamten Körper. (3)

Zusammenfassend ist erneut zu betonen, wie wichtig es für uns ist, gut auf unser Mikrobiom zu schauen, genügend zu trinken, sich ausreichend zu bewegen und sich gesund zu ernähren.

All dies unterstützt Verdauungsprozesse und -bewegungen, damit diese regelrecht vonstattengehen können und sich deine Bakterien nicht vom Dickdarm in den Dünndarm verirren.

Auch gesunde Ernährung trägt maßgeblich zu einem widerstandsfähigen Mikrobiom bei. So bleibst du leistungsfähig und fit im Alltag! (4)

Nächste Woche nehmen wir dich mit auf die Reise, genauer herauszufinden, was denn SIBO mit Hashimoto-Thyreoiditis (chronische Entzündung der Schilddrüse) zu tun hat. Also, stay tuned! 🙂

Weißt du denn schon, wie es um die Beschaffenheit deines Mikrobioms steht? Nein?

Dann teste es gleich hier und wir unterstützen dich dabei, das herauszufinden.

Publikationen/Sources:

(1) Dr. med. Martin Wilhelmia; Diana Studerus, E. B. S. D. m. M. D. P. D. m. S. V. (28.02.2018). ” Die Antwort auf therapierefraktäre Bauchbeschwerden?; SIBO: «small intestinal bacterial overgrowth» “. from https://medicalforum.ch/article/doi/smf.2018.03208.

(2) https://reizdarm.one/erkrankungen/duenndarmfehlbesiedlung-sibo/

(3) https://www.pexels.com/photo/exercise-female-fitness-foot-601177/

(4) https://www.pexels.com/photo/flat-lay-photography-of-vegetable-salad-on-plate-1640777/

Verdauungssystem und Mikrobiom …

… Arbeitet diese “Fabrik” in uns denn richtig?

„Gut gekaut ist halb verdaut.“ – Komm und ergründe in unserem neuen Blogartikel gemeinsam mit uns, was es mit diesem Sprichwort auf sich hat.

Zugegebenermaßen, jeder von uns kennt es: Das hastige Essen am Schreibtisch oder während dem Autofahren oder das unachtsame Greifen in die Chipstüte neben der Lieblingsfernsehsendung. Oft nehmen wir Nahrung in stressigen Situationen zu uns oder denken eigentlich gar nicht viel darüber nach, achtsam zu essen und uns für unsere Mahlzeiten Zeit zu nehmen, um diese mit allen Sinnen zu genießen.

Stress beeinflusst unseren Körper und auch unser Mikrobiom auf vielen Ebenen. (2)

Dass dies aber viele von uns an Blähungen, Sodbrennen oder Verstopfung leiden lässt, dem schenken wir, oft aus Bequemlichkeit, leider nicht so viele Gedanken. Hast du dich denn eigentlich schon einmal gefragt, warum das so ist?

Diese häufig auftretenden Verdauungsbeschwerden können tatsächlich mit gestresstem Essen zusammenhängen. Um das besser zu verstehen, schauen wir uns einmal die normale Funktionsweise der Verdauung genauer an.

Verdauung kann als eine Art Aufteilung von Nahrung definiert werden, um so die Aufspaltung von Nährstoffen zu ermöglichen. Denn im Grunde genommen sind wir eigentlich nicht das, was wir essen, sondern das, was wir resorbieren. Was nützt es uns also nun, auf gesundes Essen zu achten, wenn wir dabei unsere Verdauung komplett außer Acht lassen.

Doch wo beginnt denn diese nun eigentlich? Im Mund? Oder doch im Magen?

Verdauung beginnt nämlich im Gehirn: Schließt man für einen Moment die Augen und stellt sich eine leuchtend gelbe Zitrone vor, deren Saft man auspresst, wird man, sobald man die Augen wieder aufmacht, bemerken, dass sich bereits vermehrte Speichelbildung im Mund eingestellt hat. Dies gilt auch für die Magensäureproduktion.

Nehmen wir nun weiter an, dass wir uns die Zeit genommen haben, einen köstlichen Salat mit Lachs zu kreieren.

Wenn nun der erste Bissen im Mund angelangt ist, sind die Enzyme (Stoffe, die biochemische Spaltprozesse anregen) im Speichel schon bereit, die Kohlenhydrate im Salat und das Fett im Lachs abzubauen. Gründliches Kauen jedes Bissens trägt dazu bei, die Nährstoffe später noch besser aufzunehmen.

Nach dem Schlucken des Nahrungsbreis ist die nächste Station der Magen, welcher Magensäure absondert. Neben dem Schutz vor potenziellen bakteriellen oder viralen Eindringlingen, die sich in unseren Speisen verbergen können, ist es wichtig, dass Eiweiß abgebaut und Mineralien in unserer Nahrung freigesetzt werden.

Stellen der Vitamin B 12 -Resorption und Ursachen für einen Mangel. (3)

Übrigens ist Lachs reich an Vitamin B12, dessen Resorption von der Magensäure abhängig ist. Im Magen sorgen das Enzym Pepsin und die Magensäure dafür, dass Proteine aufgespalten und das Vitamin B12 so freigesetzt wird.

B12 bindet sich im Magen nun an körpereigene Transport-Proteine, die das Vitamin so in den Dünndarm transportieren.

Vitamin B12 ist ein kritischer Nährstoff. Es unterstützt neurologische Funktionen, schützt sowohl das Gedächtnis und hält uns bei guter Laune.

Als nächstes wandert die teilweise verdaute Nahrung vom Magen in den Dünndarm, wo über 95% der Nährstoffaufnahme stattfindet. Um dies zu ermöglichen, müssen die Bauchspeicheldrüse und die Gallenblase ihre „Verdauungsmagie“ walten lassen.

Die Bauchspeicheldrüse sondert erneut Enzyme ab, um Eiweiß, Kohlenhydrate und Fett weiter abzubauen, die Gallenblase scheidet Galle aus.

Galle hilft dabei, das Fett aus unserer Nahrung zu ziehen, um dieses dann für den Körper verwertbar zu machen. Gesunde Fette sind überaus wichtig für unseren Körper, denn beispielsweise bestehen über 60% unseres Gehirns aus Fett.

Im Dickdarm dient unser ballaststoffreicher Salat als zusätzliche Mahlzeit für gutartige Darmbakterien. Diese unterstützen uns dabei, den Stoffwechsel anzukurbeln, ein Hormongleichgewicht aufrechtzuerhalten, Vitamine zu synthetisieren (zum Beispiel Vitamin K für unsere Knochen und Biotin für gesunde Haare und Nägel). Ebenso verhindern Ballaststoffe Verstopfung. Deshalb ist es wichtig, dass wir unser Mikrobiom mit sehr viel Ballaststoffen füttern.

Lachs enthält beispielsweise gesunde Fette, die sehr wichtig für uns und unser Mikrobiom sind. (4)

Vorausgesetzt, wir trinken nun ausreichend und essen ballaststoffreich, führen rhythmische Verdauungskontraktionen zur Ausscheidung der Nahrungsreste.

Doch ein sehr wichtiges Bindeglied unserer “Fabrik” haben wir noch vergessen: unser Nervensystem, das unsere gesamte Verdauung reguliert. Stress während Mahlzeiten wirkt sich besonders stark auf dieses aus, was die normale Verdauungsphysiologie stören kann.

Der Körper befindet sich im sogenannten “Kampf oder Flucht”- Modus. In diesem wird das gesamte Verdauungssystem gehemmt, was zu häufigen Beschwerden führen kann. Wenn wir eine Mahlzeit zu uns nehmen, während wir uns gestresst fühlen, verschwenden wir keine Gedanken an das Essen, geschweige denn an das Kauen. Schlecht gekaute Lebensmittel werden in einen nicht optimal mit Säure vorbereiteten Magen transportiert. Das führt zu einem unangenehmen Gefühl im Oberbauch.

Am Eingang unseres Magens haben wir eine Art „Schutztor“, welches verhindert, dass Säure zurück in die Speiseröhre gelangt. Leider können einige unserer beliebtesten Lebensmittel und Getränke, wie Kaffee, Schokolade und Alkohol, zu einer Funktionsstörung dieses Tors beitragen. Übergewicht kann zusätzlich belasten und ein gesteigerter “Kampf oder Flucht” -Modus kann die Symptome von Sodbrennen verstärken.

Während es ernsthafte Krankheiten gibt, die die Einnahme von säureblockierenden Medikamenten erfordern, kann deren wahllose Zufuhr über einen langen Zeitraum riskant sein und die Wahrscheinlichkeit eines Calcium- oder Vitamin B12-Mangels erhöhen.

Im Dünndarm hemmt Stress die Verdauungsfunktion der Bauchspeicheldrüse und der Gallenblase. Schlechte Bakterien können dann die Nahrung zersetzen, wobei Gas als Nebenprodukt entsteht, was zu einem Aufgeblähtsein führt.

Stress unterdrückt die normalen Kontraktionen im Dickdarm. Kombiniert mit einer Aufnahme von viel zu wenig Ballaststoffen und Flüssigkeit führt dies zu Verstopfungen.

Anatomie des autonomen Nervensystems und seiner sympathischen (Kampf oder Flucht) und parasympathischen (Ruhe und Verdauung) Zweige. Viele Organe erhalten Signale von diesen. (5)

Fühlen wir uns aber während der Nahrungsaufnahme entspannt (“Ruhe und Verdauungs”-Modus), kann diese regelrecht vonstattengehen. Rhythmische Kontraktionen im Darm bewegen die Nahrung sanft weiter.

Wir essen, wir verdauen, wir nehmen auf, wir scheiden aus. Durch das Zeitnehmen beim Essen haben wir so die Nährstoffaufnahme positiv beeinflusst.

Zusammenfassend tut es uns also richtig gut, sich für das Essen Zeit zu nehmen, tief durchzuatmen, richtig zu kauen und zu entspannen.

Unsere Einstellung gegenüber Mahlzeiten beeinflusst die Verdauung und letztendlich die Nährstoffe, die wir aufnehmen. Also im Grunde genommen, was wir sind und werden.

Für eine optimale Gesundheit muss nicht nur darauf geachtet werden, was wir essen, sondern auch, wie wir essen.

Auch unser Darm-Mikrobiom freut sich sehr darüber! Hast du deines denn schon testen lassen?

Verwendete Quellen:

(1) Healthy Digestion – Not What, But How? | Courtney Jackson | TEDxMontrealWomen, https://www.youtube.com/watch?v=P6_36Axaebs

(2) https://www.pexels.com/photo/design-desk-display-eyewear-313690/

(3) Wong, Cw. (2015). Vitamin B12 deficiency in the elderly: Is it worth screening?. Hong Kong medical journal = Xianggang yi xue za zhi / Hong Kong Academy of Medicine. 21. 10.12809/hkmj144383. / https://www.researchgate.net/figure/Sites-of-vitamin-B-12-absorption-and-causes-of-deficiency-Abbreviations-B-vitamin-B-12_fig1_309856556

(4) https://www.pexels.com/photo/brown-fish-fillet-on-white-ceramic-plate-46239/

(5) Eckstein, Maria & Guerra-Carrillo, Belén & Miller Singley, Alison & Bunge, Silvia. (2016). In press version of ms.

Gibt es den “perfekten” Stuhlgang?

… auf der Suche nach Gut’s Next Top Poop.

Für viele ein Tabuthema, ist es dennoch von außerordentlicher Wichtigkeit darüber zu sprechen, was sich in unserer Toilette befindet. Dies gibt aufschlussreiche Einblicke, wie es um unsere Gesundheit steht und unterstützt dabei, etwaige Verdauungsprobleme nicht unbeantwortet zu lassen.

Verdauungsprobleme können vielfältigen Symptomen zu Grunde liegen, wie Gewichtszunahme, Akne, Depression und hormonellen Problemen, um damit nur einige aufzuzählen.

Deshalb gilt es umso mehr, zu verstehen, was man denn eigentlich mit gesunder Verdauung meint. Darüber berichten wir euch mehr in einem der kommenden Posts.

Den Verdauungsprozess kann man sich wie ein Fließband in einer Fabrik vorstellen, welches als Produkt Stuhl hervorbringt und an dessen Erzeugung viele Mitarbeiter (Enzyme, Organe, …) ihre Finger im Spiel haben.

Am Endprodukt lässt sich schlussendlich feststellen, ob alles glatt gelaufen ist oder ob während der Herstellung Fehler gemacht wurden. Vergleicht man unseren Stuhl beispielsweise mit einem Motorrad und dieses Motorrad würde mit nur einem Rad, fünf Rückspiegeln und ohne Licht ausgeliefert werden, wüssten wir sofort, dass in der Fabrik etwas schiefgelaufen sein muss, da einem ja bewusst ist, wie das Endergebnis eigentlich aussehen sollte. So eben auch mit unserem Stuhlgang. Nur, dass wir uns mit hoher Wahrscheinlichkeit noch nicht damit befasst haben, wie denn dieser beschaffen sein sollte. Die heute gängigen Tiefspültoiletten machen uns die Inspizierung nicht wirklich leichter.

Die Zusammensetzung deines Mikrobioms (ob vorherrschend gute oder schlechte Bakterien vertreten sind) hat Einfluss auf die Entstehung von Blähungen. (3)

Oft ziehen wir einzig und allein die Frequenz unseres Stuhlgangs als Kriterium für eine „gesunde“ Verdauung heran, jedoch produzieren auch kranke Därme miserable Endergebnisse in regelmäßigen Abständen.

Um nun auf unsere Eingangsfrage zurückzukommen: Gibt es nun also so etwas wie den „perfekten“ Stuhlgang?

Um dies näher zu erläutern, ist dennoch zu erwähnen, dass wir alle Individuen mit unterschiedlichen Körpern sind, weshalb jeder seine eigene Variation und Bandbreite von „gesund“ besitzt und daher Abweichungen von einer Grunddefinition natürlich durchaus möglich sind.

Nichtsdestotrotz lassen sich aber einige Grundkategorien aufzeigen, die uns alle betreffen, um zumindest etwas Ordnung zu schaffen: Farbe, Form, Konsistenz, schwimmt der Stuhl oben im Wasser auf oder nicht, Frequenz, Geruch und die Passagezeit.

Einen idealen Stuhl kann man daher als mittelbraun (jedoch nahrungsabhängig, da dieser beispielsweise beim Verzehr von roter Beete dunkel oder von Spinat grün sein kann), kaum riechend und wohlgeformt beschreiben. Er ist von einer Schleimschicht umhüllt, die verhindert, dass der Anus verschmutzt. Deshalb sollten wir eigentlich, wie auch bei Hunden oder Katzen, kein Klopapier benötigen. Ergo, je mehr Toilettenpapier wir verwenden müssen, in desto unzufriedenerem Zustand unser Darm.

Wie bereits erwähnt, heißt täglicher Stuhlgang noch lange nicht, dass alles in bester Ordnung ist.

Denn auch der Geruch ist ein aussagekräftiges Indiz, ob denn bei der Produktion alles geklappt hat. Dies betrifft auch Blähungen und die Winde, die uns entwischen. Beim Verdauungsprozess selber werden nämlich keine Gase und Gerüche produziert, denn dies entsteht immer erst durch bakterielle Vorgänge im Dickdarm (unser Mikrobiom). Unangenehme Gerüche sind eher als nicht so gut einzustufen, denn riechen sie faulig, sind Fäulnisbakterien (böse Bakterien) aktiv, riechen sie nicht, sind Gärungsprozesse für die Gasentstehung verantwortlich, was wiederum für eine zu lange Passagezeit spricht.

Um noch einmal auf die Farbe zurückzukommen, ist diese von hell bis dunkelbraun im Normalbereich anzusehen. Unbedingt sollte man einen Arzt aufsuchen, wenn der Stuhl sich sehr hell (Gallenprobleme) oder schwarz mit blutigen Beimischungen (Blutungen im Dickdarm) zeigt. Auch Hämorrhoiden können für letzteres verantwortlich sein.

Ebenso sagt die Form des Stuhls viel über unsere Verdauung aus: Bleistiftdünner Stuhl bedeutet beispielsweise, dass der Körper gestresst ist, denn in diesem Zustand verengt sich der Dickdarm so, dass eben bleistiftdünner Stuhl dabei herauskommt.

Eine andere wichtige Form, die erwähnenswert ist, ist die Form von Murmeln wie bei Hasen. Dies ist hauptsächlich auf zwei Gründe zurückzuführen: Flüssigkeitsmangel und ein Mangel an Fett, aber dem guten Fett, das wir benötigen um Hormone herzustellen, sowie für die Funktion unseres Gehirns und unserer Zellen.

Vom Aussehen her sollte der Stuhl glatt sein, zeigen sich Unebenheiten, weißt dies auf Flüssigkeitsmangel hin.

Diese Bristol Stool Scale ist eine Tabelle zur Übersicht von Form und Beschaffenheit des menschlichen Stuhls. Sie ist ein diagnostisches Hilfsmittel, um die Dauer der Darmpassage beurteilen zu können, was wiederum Rückschlüsse auf bestimmte Erkrankungen zulässt.

Nach der Skala werden sieben verschiedene Stuhltypen unterschieden, wobei die Passagezeit von Typ 1 (bis zu 100 Stunden) bis zu Typ 7 (ca. 10 Stunden) abnimmt.  Die Typen 1 und 2 weisen auf eine Verstopfung hin, die Typen 5 bis 7 auf Durchfall. Die Typen 3 und 4 gelten als „Idealstuhl“, der leicht auszuscheiden ist und auf keine Erkrankungen hinweist. (4)

Auch sollte er sinken und nicht im Wasser „schweben“. Ist letzteres der Fall, ist wahrscheinlich zu viel Gas darin gefangen oder der Verdauungsprozess war von Anfang an beeinträchtigt (nicht richtig gekaut, zu wenig Salzsäure im Magen, …).

Sollte der Stuhl oben schwimmen, könnte es sein, dass Fette nicht richtig absorbiert werden beziehungsweise etwas mit der Leber nicht stimmt.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass eine ausreichende Kenntnis über unsere Verdauung und unseren Stuhlgang unerlässlich ist, da diese zentraler Teil unserer Gesundheit ist und beeinflusst, wie wir uns mental fühlen, wie wir aussehen und vieles mehr.

Wie im Abschnitt über Blähungen erwähnt, ist auch unser Mikrobiom ein wichtiger Mitarbeiter am Fließband und ein Ungleichgewicht der Bakterien (Dysbiose) kann erhebliche Verdauungsprobleme mit sich bringen.

Weißt du denn, wie es um dein eigenes Mikrobiom steht? Teste es hier und wir unterstützen dich dabei, dein persönlicher Darmmikrobiomexperte zu werden.

Verwendete Literatur/Sources:

  1. “Alles Scheiße!? Wenn der Darm zum Problem wird” von Dr.med. Adrian Schulte, Taschenbuch, Knaur MensSana TB
    12.01.2018, 224 S., ISBN: 978-3-426-87777-7https://www.droemer-knaur.de/buch/9375436/alles-scheisse-wenn-der-darm-zum-problem-wird
  2. “The answer to your health is in your poop” – TedTalk by Melissa Ramos, https://www.youtube.com/watch?v=vL_uTdfmqEk&list=PLCtNGgCVe561RaAlebr-ZUIrz6gIInidZ&index=3&t=5s
  3. https://www.chirurgie-portal.de/innere-medizin/internistische-erkrankungen/blaehungen/blaehungen.html
  4. https://haemorrhoidenratgeber.blogspot.com/2010/09/die-bristol-stuhlformen-skala.html

Sind dein Mikrobiom und dein Gehirn durstig?

… wie Flüssigkeitsmangel unseren Darm und unser Mikrobiom beeinflusst, sowie Form und Aktivität des Gehirns verändert.

Schon ein geringer Wassermangel von 700ml löst im Körper Alarmbereitschaft aus. Da wir zu einem großen Teil aus Wasser bestehen, kann dies schwerwiegende Folgen nach sich ziehen. Ohne dieses Wasser würden viele biologische Prozesse nicht ordnungsgemäß funktionieren. Wir könnten weder sehen, hören, riechen, fühlen, schmecken, noch denken oder uns bewegen. Auf den Punkt gebracht: Unsere Zellen wären ohne diese Flüssigkeit nicht überlebensfähig.

Ohne Wasser wären wir nicht überlebensfähig, da es für viele wichtige Prozesse in unserem Körper unerlässlich ist. (4)

Wassermangel im Körper kann sich durch vieles ersichtlich machen. Dazu zählen Müdigkeit und Erschöpfung, ein erhöhter Cholesterinspiegel und Bluthochdruck, Nieren- und Blasenprobleme, Gewichtszunahme, Gelenkschmerzen, sowie Verdauungsprobleme.

Hierbei kann es vor allem zu Verstopfungen oder einem Mangel an wichtigen Mineralien kommen, was unser Mikrobiom ziemlich in Mitleidenschaft ziehen kann.

Auch führt Flüssigkeitsmangel im Darm zu einem erhöhten Entzündungsrisiko, da eine gute „Befeuchtung“ der Darmschleimhaut unerlässlich ist, um deren Schutzbarriere aufrechtzuerhalten. Dies kann so weit gehen, dass es die Zusammensetzung der Darmflora beeinflusst, sowie deren Interaktion mit dem Immunsystem.

Das fMRT-Bild (funktionelle Magnetresonanztomographie) des Gehirns eines Probanden zeigt erweiterte Hirnkammern (Ventrikel) und verdichtete Schaltkerne (zBsp. Thalamus). (5)

Ebenso konnten Forscher zeigen, dass Dehydrierung (Flüssigkeitsmangel) das Gehirn erheblich beeinträchtigen kann. Seine Form, sowie dessen Funktion in Punkto Aufgabenerfüllung sind hierbei maßgeblich betroffen.

Bei Flüssigkeitsmangel können Teile des Gehirns anschwellen (!), was neuronale Signale stört und dazu führt, dass es schwieriger wird, bestimmte Aufgaben zu bewältigen.

In einem Experiment konnte verdeutlicht werden, dass Probanden, die nach dem Sport unter Flüssigkeitsmangel litten, zu wiederholende Aufgaben häufiger verpatzten und dass deren Gehirne auffällige Veränderungen aufwiesen.

In Kombination mit Hitze und Anstrengung stellt Wassermangel eine noch größere Herausforderung für unseren Körper dar.

Ziel der Forscher ist es, beispielsweise herauszufinden, wie die gewonnen Erkenntnisse für eine erhöhte Arbeitssicherheit bei anstrengenden Tätigkeiten in heißen Umgebungen sorgen, sowie zur Unfallvermeidung beitragen können. Auch im Leistungssport spielt diese Fragestellung eine wichtige Rolle.

Um die Vorgänge im Gehirn genauer zu erklären, ist es wichtig zu erwähnen, dass sich bestimmte Strukturen, die Gehirnkammern (Ventrikel), bei Dehydrierung ausdehnen (!). Konsumierten die Probanden während des Trainings jedoch Wasser, schrumpften diese flüssigkeitsgefüllten Räume in der Mitte des Gehirns jedoch wieder.

Ebenso waren neuronale Schaltkreise vom Flüssigkeitsmangel betroffen.

Anzumerken ist hier aber auch, dass eine Überhydration ebenso nicht zielführend ist und gesundheitsschädliche Folgen mit sich bringen kann.

Es ist wichtig, ausreichend zu trinken, um beispielsweise Verstopfungen vorzubeugen. (6)

Zusammenfassend, achte also darauf, dass du, vor allem während der heißen Sommertage, genügend trinkst, um so dein Mikrobiom, deine Verdauung, dein Gehirn und im Allgemeinen deinen ganzen Körper funktionsfähig zu halten und leistungsfähig zu bleiben.

Weißt du denn schon, wie es um die Vielfalt und das Gleichgewicht deines Mikrobioms, welches durch Flüssigkeitsmangel verschoben werden kann, steht? Teste es hier und wir helfen dir, dies herauszufinden.  

Publikationen und Sources:

(1) Georgia Institute of Technology”Dehydration Alters Human Brain Shape, Activity and Slackens Task Performance.” http://neurosciencenews.com/dehydration-brain-shape-activity-performance-9723/ (accessed August 21, 2018).

(2) Useros, Noemi Redondo et al. “HYDRAGUT study: Influence of HYDRAtion status on the GUT microbiota and their impact on the immune system.” (2015).

(3) https://www.praxisvita.de/wassermangel-wenn-der-koerper-zur-wueste-wird-13199.html

(4) https://www.alimentarium.org/de/wissen/bedarf-wasser

(5) https://neurosciencenews.com/dehydration-brain-shape-activity-performance-9723/

(6) https://www.carstens-stiftung.de/artikel/top-10-darmgesundheit.html