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Therapieresistente Bauchschmerzen und SIBO

…, wenn sich dein (Dickdarm-) Mikrobiom am falschen Platz befindet.

Da unser Wissensstand rund um das Mikrobiom in den letzten Jahren maßgeblich gestiegen ist, ist nun auch der Blick der Forschung immer mehr auf SIBO (engl. small intestinal bacterial overgrowth) gerichtet.

Immer öfter äußert sich die Fehlbesiedlung und Überwucherung von Bakterien im Dünndarm als Krankheitsbild.

Doch was passiert hierbei nun genau? Ist dies eine Antwort auf therapieresistente, unerklärbare Bauchschmerzen? Komm mit und ergründe dieses Thema gemeinsam mit uns!

Eingangs ist zu erwähnen, dass SIBO sich meist ebenso durch unspezifische Beschwerden äußert. Dies kann es schwierig machen, es vom Reizdarmsyndrom zu unterscheiden.

Pathophysiologie (Lehre von den Krankheitsvorgängen und Funktionsstörungen) bei SIBO. (1)

Genauer gesagt handelt es sich dabei um ein “Zuviel” an ungünstigen Bakterien im Dünndarm, was zu Symptomen wie Blähungen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Müdigkeit und Veränderungen beim Stuhlgang führt.

Es kann sogar so weit reichen, dass Fette, Proteine und Mikronährstoffe nicht mehr richtig vom Körper aufgenommen werden (Malabsorption). Zudem begünstigen Operationen, die die Bewegungen des Dünndarms beeinflussen, ein potenzielles Auftreten von SIBO.

Eigentlich enthalten der Magen, sowie der Anfangsteil des Dünndarms nur sehr wenige Bakterien. Die Menge dieser wird zum Großteil von der Magensäure, der Gallenflüssigkeit, von Enzymen (ermöglichen chemische Reaktionen im Körper) und Immunglobulinen (Eiweißmoleküle zur Bekämpfung von Krankheitserregern), sowie von Darmbewegungen (Peristaltik) in Schach gehalten.

Wie im Bild dargestellt, erkennt man deutlich die Steigerung von Bakterien je mehr man sich dem Dickdarm nähert. (2)

Je näher man sich über die „Weiterleitung“ des Dünndarms über die Ileozökalklappe (trennt die beiden Strukturen) dem Dickdarm nähert, desto mehr Bakterien können gefunden werden, die eigentlich im Dickdarm zu Hause sind.

Normale, weiterleitende Darmbewegungen, sowie eine funktionierende Ileozökalklappe sind Voraussetzung, um ein „Rückwärtswandern“ der Bakterien vom Dickdarm in den Dünndarm zu verhindern.

Entstehen kann SIBO also nun entweder durch anatomische, immunologische, sowie enzymatische Probleme, oder, wenn die beiden wichtigsten regulatorischen Mechanismen, Darmbewegungen und Magensäureproduktion, zur Kontrolle der Bakterienzahl im Dünndarm verändert sind.

Diagnosepunkte für SIBO. (1)

Darmkontraktion bezwecken den Weitertransport des Nahrungsbreis, sowie auch von Mikroorganismen. Ist diese Bewegung eingeschränkt, beispielsweise durch bestimmte Medikamente oder Diabetes mellitus, kann das die Fähigkeit des Dünndarms zur Selbstreinigung beeinträchtigen.

Die genaue Definition von SIBO lautet daher: Bakterielle Überwucherung definiert durch eine abnormal hohe Bakterienmenge und gleichzeitig auch das Vorliegen von “falschen” (Dickdarm-) Bakterien im Dünndarm, welche Kohlenhydrate zu Gas fermentieren können.

Des Weiteren kann es dadurch zu einer Schädigung der Schleimhaut des Dünndarms kommen, was dazu führen kann, dass essentielle Bausteine (Kohlenhydrate, Proteine, Fette, Eisen, Vitamin B12) aus der Nahrung nicht mehr aufgenommen werden können.

Diagnose und möglicher Therapiealgorithmus bei Verdacht auf SIBO. (1)

Diese Bausteine dienen nun wiederum den Mikroorganismen als Futter, was in weiterer Folge (durch Fermentierungsprozesse) zu einem Aufgeblähtsein/Blähungen, sauren Stühlen, oder Defiziten in der Nährstoffversorgung führt.

Eine Therapie von SIBO gestaltet sich daher wie folgt:

1. Korrektur zugrundeliegender Erkrankungen oder anatomischer Besonderheiten – sofern dies möglich ist

2. Antibiotikatherapie oder Verwendung von pflanzlichen Substraten

3. Anpassung der Ernährung

Die Reduktion von fermentierbaren Kohlenhydraten ist eine wirksame Adaption der Ernährung, um Symptome zu kontrollieren.

Regelmäßige Bewegung ist unglaublich wichtig für dein Mikrobiom, dein Gehirn und deinen gesamten Körper. (3)

Zusammenfassend ist erneut zu betonen, wie wichtig es für uns ist, gut auf unser Mikrobiom zu schauen, genügend zu trinken, sich ausreichend zu bewegen und sich gesund zu ernähren.

All dies unterstützt Verdauungsprozesse und -bewegungen, damit diese regelrecht vonstattengehen können und sich deine Bakterien nicht vom Dickdarm in den Dünndarm verirren.

Auch gesunde Ernährung trägt maßgeblich zu einem widerstandsfähigen Mikrobiom bei. So bleibst du leistungsfähig und fit im Alltag! (4)

Nächste Woche nehmen wir dich mit auf die Reise, genauer herauszufinden, was denn SIBO mit Hashimoto-Thyreoiditis (chronische Entzündung der Schilddrüse) zu tun hat. Also, stay tuned! 🙂

Weißt du denn schon, wie es um die Beschaffenheit deines Mikrobioms steht? Nein?

Dann teste es gleich hier und wir unterstützen dich dabei, das herauszufinden.

Publikationen/Sources:

(1) Dr. med. Martin Wilhelmia; Diana Studerus, E. B. S. D. m. M. D. P. D. m. S. V. (28.02.2018). ” Die Antwort auf therapierefraktäre Bauchbeschwerden?; SIBO: «small intestinal bacterial overgrowth» “. from https://medicalforum.ch/article/doi/smf.2018.03208.

(2) https://reizdarm.one/erkrankungen/duenndarmfehlbesiedlung-sibo/

(3) https://www.pexels.com/photo/exercise-female-fitness-foot-601177/

(4) https://www.pexels.com/photo/flat-lay-photography-of-vegetable-salad-on-plate-1640777/

Verdauungssystem und Mikrobiom …

… Arbeitet diese “Fabrik” in uns denn richtig?

„Gut gekaut ist halb verdaut.“ – Komm und ergründe in unserem neuen Blogartikel gemeinsam mit uns, was es mit diesem Sprichwort auf sich hat.

Zugegebenermaßen, jeder von uns kennt es: Das hastige Essen am Schreibtisch oder während dem Autofahren oder das unachtsame Greifen in die Chipstüte neben der Lieblingsfernsehsendung. Oft nehmen wir Nahrung in stressigen Situationen zu uns oder denken eigentlich gar nicht viel darüber nach, achtsam zu essen und uns für unsere Mahlzeiten Zeit zu nehmen, um diese mit allen Sinnen zu genießen.

Stress beeinflusst unseren Körper und auch unser Mikrobiom auf vielen Ebenen. (2)

Dass dies aber viele von uns an Blähungen, Sodbrennen oder Verstopfung leiden lässt, dem schenken wir, oft aus Bequemlichkeit, leider nicht so viele Gedanken. Hast du dich denn eigentlich schon einmal gefragt, warum das so ist?

Diese häufig auftretenden Verdauungsbeschwerden können tatsächlich mit gestresstem Essen zusammenhängen. Um das besser zu verstehen, schauen wir uns einmal die normale Funktionsweise der Verdauung genauer an.

Verdauung kann als eine Art Aufteilung von Nahrung definiert werden, um so die Aufspaltung von Nährstoffen zu ermöglichen. Denn im Grunde genommen sind wir eigentlich nicht das, was wir essen, sondern das, was wir resorbieren. Was nützt es uns also nun, auf gesundes Essen zu achten, wenn wir dabei unsere Verdauung komplett außer Acht lassen.

Doch wo beginnt denn diese nun eigentlich? Im Mund? Oder doch im Magen?

Verdauung beginnt nämlich im Gehirn: Schließt man für einen Moment die Augen und stellt sich eine leuchtend gelbe Zitrone vor, deren Saft man auspresst, wird man, sobald man die Augen wieder aufmacht, bemerken, dass sich bereits vermehrte Speichelbildung im Mund eingestellt hat. Dies gilt auch für die Magensäureproduktion.

Nehmen wir nun weiter an, dass wir uns die Zeit genommen haben, einen köstlichen Salat mit Lachs zu kreieren.

Wenn nun der erste Bissen im Mund angelangt ist, sind die Enzyme (Stoffe, die biochemische Spaltprozesse anregen) im Speichel schon bereit, die Kohlenhydrate im Salat und das Fett im Lachs abzubauen. Gründliches Kauen jedes Bissens trägt dazu bei, die Nährstoffe später noch besser aufzunehmen.

Nach dem Schlucken des Nahrungsbreis ist die nächste Station der Magen, welcher Magensäure absondert. Neben dem Schutz vor potenziellen bakteriellen oder viralen Eindringlingen, die sich in unseren Speisen verbergen können, ist es wichtig, dass Eiweiß abgebaut und Mineralien in unserer Nahrung freigesetzt werden.

Stellen der Vitamin B 12 -Resorption und Ursachen für einen Mangel. (3)

Übrigens ist Lachs reich an Vitamin B12, dessen Resorption von der Magensäure abhängig ist. Im Magen sorgen das Enzym Pepsin und die Magensäure dafür, dass Proteine aufgespalten und das Vitamin B12 so freigesetzt wird.

B12 bindet sich im Magen nun an körpereigene Transport-Proteine, die das Vitamin so in den Dünndarm transportieren.

Vitamin B12 ist ein kritischer Nährstoff. Es unterstützt neurologische Funktionen, schützt sowohl das Gedächtnis und hält uns bei guter Laune.

Als nächstes wandert die teilweise verdaute Nahrung vom Magen in den Dünndarm, wo über 95% der Nährstoffaufnahme stattfindet. Um dies zu ermöglichen, müssen die Bauchspeicheldrüse und die Gallenblase ihre „Verdauungsmagie“ walten lassen.

Die Bauchspeicheldrüse sondert erneut Enzyme ab, um Eiweiß, Kohlenhydrate und Fett weiter abzubauen, die Gallenblase scheidet Galle aus.

Galle hilft dabei, das Fett aus unserer Nahrung zu ziehen, um dieses dann für den Körper verwertbar zu machen. Gesunde Fette sind überaus wichtig für unseren Körper, denn beispielsweise bestehen über 60% unseres Gehirns aus Fett.

Im Dickdarm dient unser ballaststoffreicher Salat als zusätzliche Mahlzeit für gutartige Darmbakterien. Diese unterstützen uns dabei, den Stoffwechsel anzukurbeln, ein Hormongleichgewicht aufrechtzuerhalten, Vitamine zu synthetisieren (zum Beispiel Vitamin K für unsere Knochen und Biotin für gesunde Haare und Nägel). Ebenso verhindern Ballaststoffe Verstopfung. Deshalb ist es wichtig, dass wir unser Mikrobiom mit sehr viel Ballaststoffen füttern.

Lachs enthält beispielsweise gesunde Fette, die sehr wichtig für uns und unser Mikrobiom sind. (4)

Vorausgesetzt, wir trinken nun ausreichend und essen ballaststoffreich, führen rhythmische Verdauungskontraktionen zur Ausscheidung der Nahrungsreste.

Doch ein sehr wichtiges Bindeglied unserer “Fabrik” haben wir noch vergessen: unser Nervensystem, das unsere gesamte Verdauung reguliert. Stress während Mahlzeiten wirkt sich besonders stark auf dieses aus, was die normale Verdauungsphysiologie stören kann.

Der Körper befindet sich im sogenannten “Kampf oder Flucht”- Modus. In diesem wird das gesamte Verdauungssystem gehemmt, was zu häufigen Beschwerden führen kann. Wenn wir eine Mahlzeit zu uns nehmen, während wir uns gestresst fühlen, verschwenden wir keine Gedanken an das Essen, geschweige denn an das Kauen. Schlecht gekaute Lebensmittel werden in einen nicht optimal mit Säure vorbereiteten Magen transportiert. Das führt zu einem unangenehmen Gefühl im Oberbauch.

Am Eingang unseres Magens haben wir eine Art „Schutztor“, welches verhindert, dass Säure zurück in die Speiseröhre gelangt. Leider können einige unserer beliebtesten Lebensmittel und Getränke, wie Kaffee, Schokolade und Alkohol, zu einer Funktionsstörung dieses Tors beitragen. Übergewicht kann zusätzlich belasten und ein gesteigerter “Kampf oder Flucht” -Modus kann die Symptome von Sodbrennen verstärken.

Während es ernsthafte Krankheiten gibt, die die Einnahme von säureblockierenden Medikamenten erfordern, kann deren wahllose Zufuhr über einen langen Zeitraum riskant sein und die Wahrscheinlichkeit eines Calcium- oder Vitamin B12-Mangels erhöhen.

Im Dünndarm hemmt Stress die Verdauungsfunktion der Bauchspeicheldrüse und der Gallenblase. Schlechte Bakterien können dann die Nahrung zersetzen, wobei Gas als Nebenprodukt entsteht, was zu einem Aufgeblähtsein führt.

Stress unterdrückt die normalen Kontraktionen im Dickdarm. Kombiniert mit einer Aufnahme von viel zu wenig Ballaststoffen und Flüssigkeit führt dies zu Verstopfungen.

Anatomie des autonomen Nervensystems und seiner sympathischen (Kampf oder Flucht) und parasympathischen (Ruhe und Verdauung) Zweige. Viele Organe erhalten Signale von diesen. (5)

Fühlen wir uns aber während der Nahrungsaufnahme entspannt (“Ruhe und Verdauungs”-Modus), kann diese regelrecht vonstattengehen. Rhythmische Kontraktionen im Darm bewegen die Nahrung sanft weiter.

Wir essen, wir verdauen, wir nehmen auf, wir scheiden aus. Durch das Zeitnehmen beim Essen haben wir so die Nährstoffaufnahme positiv beeinflusst.

Zusammenfassend tut es uns also richtig gut, sich für das Essen Zeit zu nehmen, tief durchzuatmen, richtig zu kauen und zu entspannen.

Unsere Einstellung gegenüber Mahlzeiten beeinflusst die Verdauung und letztendlich die Nährstoffe, die wir aufnehmen. Also im Grunde genommen, was wir sind und werden.

Für eine optimale Gesundheit muss nicht nur darauf geachtet werden, was wir essen, sondern auch, wie wir essen.

Auch unser Darm-Mikrobiom freut sich sehr darüber! Hast du deines denn schon testen lassen?

Verwendete Quellen:

(1) Healthy Digestion – Not What, But How? | Courtney Jackson | TEDxMontrealWomen, https://www.youtube.com/watch?v=P6_36Axaebs

(2) https://www.pexels.com/photo/design-desk-display-eyewear-313690/

(3) Wong, Cw. (2015). Vitamin B12 deficiency in the elderly: Is it worth screening?. Hong Kong medical journal = Xianggang yi xue za zhi / Hong Kong Academy of Medicine. 21. 10.12809/hkmj144383. / https://www.researchgate.net/figure/Sites-of-vitamin-B-12-absorption-and-causes-of-deficiency-Abbreviations-B-vitamin-B-12_fig1_309856556

(4) https://www.pexels.com/photo/brown-fish-fillet-on-white-ceramic-plate-46239/

(5) Eckstein, Maria & Guerra-Carrillo, Belén & Miller Singley, Alison & Bunge, Silvia. (2016). In press version of ms.

Gibt es den “perfekten” Stuhlgang?

… auf der Suche nach Gut’s Next Top Poop.

Für viele ein Tabuthema, ist es dennoch von außerordentlicher Wichtigkeit darüber zu sprechen, was sich in unserer Toilette befindet. Dies gibt aufschlussreiche Einblicke, wie es um unsere Gesundheit steht und unterstützt dabei, etwaige Verdauungsprobleme nicht unbeantwortet zu lassen.

Verdauungsprobleme können vielfältigen Symptomen zu Grunde liegen, wie Gewichtszunahme, Akne, Depression und hormonellen Problemen, um damit nur einige aufzuzählen.

Deshalb gilt es umso mehr, zu verstehen, was man denn eigentlich mit gesunder Verdauung meint. Darüber berichten wir euch mehr in einem der kommenden Posts.

Den Verdauungsprozess kann man sich wie ein Fließband in einer Fabrik vorstellen, welches als Produkt Stuhl hervorbringt und an dessen Erzeugung viele Mitarbeiter (Enzyme, Organe, …) ihre Finger im Spiel haben.

Am Endprodukt lässt sich schlussendlich feststellen, ob alles glatt gelaufen ist oder ob während der Herstellung Fehler gemacht wurden. Vergleicht man unseren Stuhl beispielsweise mit einem Motorrad und dieses Motorrad würde mit nur einem Rad, fünf Rückspiegeln und ohne Licht ausgeliefert werden, wüssten wir sofort, dass in der Fabrik etwas schiefgelaufen sein muss, da einem ja bewusst ist, wie das Endergebnis eigentlich aussehen sollte. So eben auch mit unserem Stuhlgang. Nur, dass wir uns mit hoher Wahrscheinlichkeit noch nicht damit befasst haben, wie denn dieser beschaffen sein sollte. Die heute gängigen Tiefspültoiletten machen uns die Inspizierung nicht wirklich leichter.

Die Zusammensetzung deines Mikrobioms (ob vorherrschend gute oder schlechte Bakterien vertreten sind) hat Einfluss auf die Entstehung von Blähungen. (3)

Oft ziehen wir einzig und allein die Frequenz unseres Stuhlgangs als Kriterium für eine „gesunde“ Verdauung heran, jedoch produzieren auch kranke Därme miserable Endergebnisse in regelmäßigen Abständen.

Um nun auf unsere Eingangsfrage zurückzukommen: Gibt es nun also so etwas wie den „perfekten“ Stuhlgang?

Um dies näher zu erläutern, ist dennoch zu erwähnen, dass wir alle Individuen mit unterschiedlichen Körpern sind, weshalb jeder seine eigene Variation und Bandbreite von „gesund“ besitzt und daher Abweichungen von einer Grunddefinition natürlich durchaus möglich sind.

Nichtsdestotrotz lassen sich aber einige Grundkategorien aufzeigen, die uns alle betreffen, um zumindest etwas Ordnung zu schaffen: Farbe, Form, Konsistenz, schwimmt der Stuhl oben im Wasser auf oder nicht, Frequenz, Geruch und die Passagezeit.

Einen idealen Stuhl kann man daher als mittelbraun (jedoch nahrungsabhängig, da dieser beispielsweise beim Verzehr von roter Beete dunkel oder von Spinat grün sein kann), kaum riechend und wohlgeformt beschreiben. Er ist von einer Schleimschicht umhüllt, die verhindert, dass der Anus verschmutzt. Deshalb sollten wir eigentlich, wie auch bei Hunden oder Katzen, kein Klopapier benötigen. Ergo, je mehr Toilettenpapier wir verwenden müssen, in desto unzufriedenerem Zustand unser Darm.

Wie bereits erwähnt, heißt täglicher Stuhlgang noch lange nicht, dass alles in bester Ordnung ist.

Denn auch der Geruch ist ein aussagekräftiges Indiz, ob denn bei der Produktion alles geklappt hat. Dies betrifft auch Blähungen und die Winde, die uns entwischen. Beim Verdauungsprozess selber werden nämlich keine Gase und Gerüche produziert, denn dies entsteht immer erst durch bakterielle Vorgänge im Dickdarm (unser Mikrobiom). Unangenehme Gerüche sind eher als nicht so gut einzustufen, denn riechen sie faulig, sind Fäulnisbakterien (böse Bakterien) aktiv, riechen sie nicht, sind Gärungsprozesse für die Gasentstehung verantwortlich, was wiederum für eine zu lange Passagezeit spricht.

Um noch einmal auf die Farbe zurückzukommen, ist diese von hell bis dunkelbraun im Normalbereich anzusehen. Unbedingt sollte man einen Arzt aufsuchen, wenn der Stuhl sich sehr hell (Gallenprobleme) oder schwarz mit blutigen Beimischungen (Blutungen im Dickdarm) zeigt. Auch Hämorrhoiden können für letzteres verantwortlich sein.

Ebenso sagt die Form des Stuhls viel über unsere Verdauung aus: Bleistiftdünner Stuhl bedeutet beispielsweise, dass der Körper gestresst ist, denn in diesem Zustand verengt sich der Dickdarm so, dass eben bleistiftdünner Stuhl dabei herauskommt.

Eine andere wichtige Form, die erwähnenswert ist, ist die Form von Murmeln wie bei Hasen. Dies ist hauptsächlich auf zwei Gründe zurückzuführen: Flüssigkeitsmangel und ein Mangel an Fett, aber dem guten Fett, das wir benötigen um Hormone herzustellen, sowie für die Funktion unseres Gehirns und unserer Zellen.

Vom Aussehen her sollte der Stuhl glatt sein, zeigen sich Unebenheiten, weißt dies auf Flüssigkeitsmangel hin.

Diese Bristol Stool Scale ist eine Tabelle zur Übersicht von Form und Beschaffenheit des menschlichen Stuhls. Sie ist ein diagnostisches Hilfsmittel, um die Dauer der Darmpassage beurteilen zu können, was wiederum Rückschlüsse auf bestimmte Erkrankungen zulässt.

Nach der Skala werden sieben verschiedene Stuhltypen unterschieden, wobei die Passagezeit von Typ 1 (bis zu 100 Stunden) bis zu Typ 7 (ca. 10 Stunden) abnimmt.  Die Typen 1 und 2 weisen auf eine Verstopfung hin, die Typen 5 bis 7 auf Durchfall. Die Typen 3 und 4 gelten als „Idealstuhl“, der leicht auszuscheiden ist und auf keine Erkrankungen hinweist. (4)

Auch sollte er sinken und nicht im Wasser „schweben“. Ist letzteres der Fall, ist wahrscheinlich zu viel Gas darin gefangen oder der Verdauungsprozess war von Anfang an beeinträchtigt (nicht richtig gekaut, zu wenig Salzsäure im Magen, …).

Sollte der Stuhl oben schwimmen, könnte es sein, dass Fette nicht richtig absorbiert werden beziehungsweise etwas mit der Leber nicht stimmt.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass eine ausreichende Kenntnis über unsere Verdauung und unseren Stuhlgang unerlässlich ist, da diese zentraler Teil unserer Gesundheit ist und beeinflusst, wie wir uns mental fühlen, wie wir aussehen und vieles mehr.

Wie im Abschnitt über Blähungen erwähnt, ist auch unser Mikrobiom ein wichtiger Mitarbeiter am Fließband und ein Ungleichgewicht der Bakterien (Dysbiose) kann erhebliche Verdauungsprobleme mit sich bringen.

Weißt du denn, wie es um dein eigenes Mikrobiom steht? Teste es hier und wir unterstützen dich dabei, dein persönlicher Darmmikrobiomexperte zu werden.

Verwendete Literatur/Sources:

  1. “Alles Scheiße!? Wenn der Darm zum Problem wird” von Dr.med. Adrian Schulte, Taschenbuch, Knaur MensSana TB
    12.01.2018, 224 S., ISBN: 978-3-426-87777-7https://www.droemer-knaur.de/buch/9375436/alles-scheisse-wenn-der-darm-zum-problem-wird
  2. “The answer to your health is in your poop” – TedTalk by Melissa Ramos, https://www.youtube.com/watch?v=vL_uTdfmqEk&list=PLCtNGgCVe561RaAlebr-ZUIrz6gIInidZ&index=3&t=5s
  3. https://www.chirurgie-portal.de/innere-medizin/internistische-erkrankungen/blaehungen/blaehungen.html
  4. https://haemorrhoidenratgeber.blogspot.com/2010/09/die-bristol-stuhlformen-skala.html