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Ingwer und das Mikrobiom

… wie die Moleküle des Wurzelgewächses die Zusammensetzung der Bakterien im Darm beeinflussen.

Ingwer ist nicht nur in der Küche beliebt, wo sein würziges Aroma verschiedenste Gerichte verfeinert. Auch in der Medizin findet die scharfe Knolle zunehmend Beachtung. Vor allem bei Erkältungen wird oft auf Ingwer – aufgrund dessen stimulierender Wirkung auf das Immunsystem – zurückgegriffen.

Ingwer ist reich an ätherischen Ölen und Scharfstoffen und liefert ebenso Vitamine und Mineralstoffe wie Vitamin C, Magnesium, Kalium, Kalzium und Eisen.

Mikrobiologen der Universität von Louisville in Kentucky untersuchten nun jedoch die genaueren Mechanismen, die erklären sollten, wie sich Ingwer auf die Gesundheit und das Mikrobiom auswirke.

In früheren Studien hatten die Forscher bereits herausgefunden, dass Exosomen-ähnliche Nanopartikel, die aus Pflanzen wie Brokkoli und Ingwer stammen, dazu beitragen können, alkoholbedingte Leberschäden und künstlich hervorgerufene Kolitis (= Darmentzündung) in Mausmodellen zu verhindern.

Eine Skizze des beschriebenen Mechanismus, wie micro-RNAs unsere Darmbakterien beeinflussen. (1)

Exozytose („exo“ = außen) bezeichnet den Vorgang der Abgabe von Stoffen aus dem Intrazellularraum (= innerhalb der Zelle) in den Extrazellularraum (= außerhalb der Zelle). Zu diesem Zweck werden mit Abfallstoffen gefüllte Bläschen abgeschnürt, die sogenannten Exosomen. Das Exosom verhindert ein direktes Aufeinandertreffen zwischen Abfallstoff und Cytoplasma, da auch nicht mehr benötigte Nebenprodukte durchaus noch mit Zellorganellen schädlich interagieren können. Sobald das Exosom auf die Zellmembran trifft, verschmilzt es mit dieser und entleert den Inhalt in den Interzellularraum.

Als die Wissenschaftler nun kürzlich von Ingwer abgeleitete Exosomen-ähnliche Nanopartikel sequenzierten (= Aufklärung der Reihenfolge bestimmter Bausteine), stellten sie fest, dass diese viele microRNAs enthielten. microRNAs sind eine bestimmte Form der einsträngigen RNA in der Zelle, die an der Bildung eines von einem Gen kodierten Genprodukts, vor allem von Proteinen, beteiligt sind.

Dieser Fund veranlasste die Forscher dazu, sich zu fragen, ob die essbare Pflanzen-RNA von Darmbakterien aufgenommen werden und Expression in deren Genen anregen könnte. Expression ist die Art und Weise, wie genetische Information zum Ausdruck kommt und in Erscheinung tritt. Es konnte bereits bewiesen werden, dass menschliche fäkale micro-RNAs dies bei Mäusen tun.

Um alledem auf den Grund zu gehen, wurden die Mäuse mit gereinigten Exosomen-ähnlichen Nanopartikeln aus Ingwer gefüttert. Im Anschluss wurde die Zusammensetzung des Darmmikrobioms analysiert. Vor allem eine erhebliche Zunahme von Lactobacillaceae – einer Familie nützlicher Bakterien, die häufig als Probiotika verwendet werden – in behandelten Mäusen im Vergleich zu Mäusen, denen ein neutrales Medium verabreicht wurde, erwies sich als besonders interessant. Kulturen im Reagenzglas zeigten auch, dass die Nanopartikel das Wachstum von Lactobacillus rhamnosus und mehreren anderen Lactobacillus-Arten förderten.

1: Anhand einer im Mausmodell induzierten Kolitis untersuchten die Forscher die Auswirkungen von aus Ingwer stammenden, exosomenähnlichen Nanopartikeln auf die Darmflora. Das Team stellte fest, dass diese bevorzugt von Lactobacillus-Darmbakterien aufgenommen werden und deren Häufigkeit steigern.
2: Die Partikel enthalten microRNAs, die eine Reihe von Bakteriengenen stimulieren.
3: Insbesondere aktivieren sie einen Signalweg, der zur Expression von Interleukin-22 im Dickdarmschleim führt. Interleukine sind körpereigene Botenstoffe der Zellen des Immunsystems.
4: Es wird angenommen, dass dies die Gewebereparatur und die antimikrobielle Immunität fördert und letztendlich Kolitis-Symptome bei Mäusen verbessert.

(1)

Um im Weiteren herauszufinden, ob dieser Mechanismus eine positive Auswirkung auf die Gesundheit haben könnte, wurde bei Mäusen mit bestimmten Chemikalien eine Kolitis, die zu Geschwüren und Läsionen in der Darmschleimhaut führt, hervorgerufen. Nach dem Verzehr der Ingwer-Nanopartikel zeigten die Mäuse, im Vergleich zu der Kontrollgruppe, welcher durcheinandergemischte Partikel verabreicht wurde, eine Verbesserung ihrer Kolitis-Symptome.

Weitere Experimente deuteten darauf hin, dass die Ingwer-Nanopartikel eine Reihe von Bakteriengenen aktivieren, deren Signalwege die Gewebereparatur an der Darmschleimhaut fördern. Dies könnte der ausschlaggebende Grund für die Linderung der Symptome sein.

Laut den Forschern sind die Ergebnisse Beweis dafür, dass pflanzliche Nanopartikel die Zusammensetzung und Gesundheit unseres Mikrobioms beeinflussen können, was wiederum „einen neuen Ansatz für künftige Studien“ beherbergt.

In der Fachwelt veranschaulichten die Ergebnisse „einen bemerkenswerten Mechanismus dieser Wechselwirkungen zwischen der Ernährung, den Mikroben und dem Wirt“. Viele Studien legen Korrelationen zwischen ernährungsbedingten Eingriffen und Veränderungen im Mikrobiom fest, während aber nur sehr wenige die beteiligten molekularen Mechanismen untersuchen. Deshalb sollte es, auf Anraten der Experten, im Allgemeinen viel mehr Studien wie diese geben.

Selbstgekocht schmeckt’s doch am besten! ?

Besonders in der kalten Jahreszeit ist es wichtig, gut auf dich, deinen Körper und dein Mikrobiom zu schauen, um Erkältungen abzuwehren und dein Immunsystem, sowie deine Bewohner im Darm widerstandsfähig zu halten. Wie wäre es also mit einer leckeren Karotten-Ingwer-Suppe, die zusätzlich viele Ballaststoffe enthält?

Für 4 Portionen benötigst du:

  • 1 EL Kokosöl, oder ein anderes Öl
  • 1 Zwiebel, gehackt
  • 2 Knoblauchzehen, gehackt
  • 30 g Ingwer, gehackt
  • 5 (500g) große Karotten, grob geschnitten
  • 500 ml Gemüsesuppe
  • 1 EL Limettensaft
  • 1 TL Salz
  • Pfeffer zum Würzen

Erhitze Öl in einem großen Topf. Dünste die Zwiebel, Knoblauchzehen und Ingwer für 5 Minuten darin an. Gib die Karotten dazu und röste alles für 3 Minuten an. Dann leere die Gemüsesuppe dazu und lass es mit geschlossenem Deckel für 15 Minuten leicht köcheln. Püriere alles mit einem Mixer oder Pürierstab zu einer Suppe. Würze die Suppe mit Limettensaft, Salz und Pfeffer. Je nach Belieben kannst du die Suppe noch mit etwas (Cashew-)Sahne/Kokosmilch verfeinern. Willst du es etwas weniger würzig, ist die Menge an Ingwer selbstverständlich variabel.

Unsere leckere Karotten-Ingwer-Suppe: Je nach Belieben könnt ihr auch gemeinsam mit den Karotten etwas Kürbis anrösten.

Also, viel Spaß beim Nachkochen und eine schöne Adventszeit! ?
Dein Mikrobiom würde sich sicherlich sehr über eine wohltuende Suppe freuen! Hast du deines denn schon testen lassen?

Publikationen / Sources:

(1) Y. Teng et al., “Plant-derived exosomal microRNAs shape the gut microbiota,” Cell Host Microbe, 24:637–52, 2018.

(2) https://www.the-scientist.com/the-literature/molecules-found-in-ginger-remodel-the-microbiome-65369

Mikrobiom und Gluten – Zusammenhang mit Hashimoto

Wie in unseren vorigen Artikeln über SIBO angekündigt, beschäftigen wir uns diese Woche damit, welche Auswirkungen Gluten auf einen durchlässigen Darm („Leaky Gut“), das Mikrobiom und Autoimmunerkrankungen, wie Hashimoto-Thyreoiditis (chronische Schilddrüsenentzündung) hat.

Wie durch Leaky Gut SIBO (small intestinal bacterial overgrowth; bakterielle Dünndarmfehlbesiedlung) und in weiterer Folge Hashimoto entstehen kann, findest du hier.

Die Molekülstruktur von Gluten. Gliadin und Glutenin sind zwei Fraktionen von Gluten. Gluten formt sich bei der Vermischung mit Wasser. (7)

Bestimmt ist dir der Name Gluten in den letzten Jahren schon einmal untergekommen. Doch um was handelt es sich hierbei eigentlich genau?

Gluten ist eine Proteinfamilie, die in Getreide wie Weizen, Roggen, Dinkel und Gerste vorkommt.

Die beiden Hauptproteine in Gluten sind Glutenin und Gliadin. Gliadin ist für die meisten negativen Auswirkungen auf die Gesundheit verantwortlich.

Wenn Mehl mit Wasser gemischt wird, bilden die Glutenproteine ein klebriges Netzwerk, das eine kleberartige Konsistenz aufweist.

Gluten findet man hauptsächlich im Mehlkörper (Endosperm) von Getreide. (8)

Diese kleberartige Eigenschaft macht den Teig elastisch und lässt das Brot beim Backen aufgehen. Ebenso liefert dies auch eine weiche, fluffige Textur.

Interessanterweise leitet sich der Name Glu-ten (engl. glue = Kleber) von dieser kleberartigen Eigenschaft des feuchten Teigs ab.

Gluten kann nicht nur Entzündungen verursachen, sondern auch ein verändertes Mikrobiom und einen undichten Darm, sowie durch molekulare Nachahmung (mehr dazu später) direkt eine Autoimmunität im Körper auslösen.

Um kurz zu rekapitulieren: Bei Hashimoto-Thyreoiditis handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, was bedeutet, dass das Immunsystem körpereigenes Gewebe – in diesem Fall die Schilddrüse – angreift und dadurch zu wenig Schilddrüsenhormone produziert werden. Dieser Schlüsselpunkt ist wichtig, um zu verstehen, warum Gluten schädlich für die Schilddrüse sein kann.

Beim Leaky Gut – dem durchlässigen Darm – gelangen, bedingt durch die Auflösung der Verbindungen in der Darmschleimhaut, Partikel und Bakterien in die Blutbahn, die dort nichts verloren haben. Dies führt zu Entzündungen. (9)

Dank der Pionierarbeit von Dr. Alessio Fasano wissen wir, dass Leaky Gut einer der Hauptauslöser für Autoimmunerkrankungen ist, einschließlich Hashimoto.

Kurz und knapp: Beim Leaky Gut wird der Darm, insbesondere der Dünndarm, durchlässig. Dadurch können Partikel aus dem Verdauungstrakt in den Blutkreislauf gelangen und sich ungehindert bewegen. SIBO (bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms), Darminfektionen, Antibiotika, Steroide, Antibabypillen und Stress fördern die Entstehung von Leaky Gut.

Ebenso zeigen neue Forschungsergebnisse, dass das Aufsprühen von Glyphosat (Mittel zur Unkrautbekämpfung) auf Pflanzen auch einen wesentlichen Beitrag dazu leistet.

Somit haben nun auch Glutenpartikel einen Freifahrtschein in die Blutbahn, was das Immunsystem in höchste Alarmbereitschaft versetzt, um all dies zu neutralisieren.

Wie es dadurch zu chronischen Entzündungen, einer Überlastung des Immunsystems, sowie der Entstehung von Autoimmunerkrankungen kommt, liest du hier.

Antikörper (Reaktionsprodukt von Körperzellen auf bestimmte Stoffe = Antigene) binden an die spezifischen Proteinsequenzen von Antigenen (artfremde Eiweißstoffe, die im Körper die Bildung von Antikörpern gegen sich selbst bewirken). Obwohl Gluten, Kasein (Protein in Milchprodukten) und dein eigenes Gewebe unterschiedlich sind, teilen sie einige der gleichen Proteinsequenzen. Eine Kreuzreaktion tritt auf, wenn dein Immunsystem diese Moleküle nicht unterscheiden kann. (1)

Jedes Mal, wenn dein Körper Bakterien, Viren oder anderen Krankheitserregern ausgesetzt ist, merkt sich dein Immunsystem deren Struktur, insbesondere die Proteinsequenz, damit es diese in Zukunft erkennen und dich so gegen Eindringlinge verteidigen kann.

Jedoch ist das Erkennungssystem des Immunsystems nicht narrensicher. Im Falle von Gluten, dessen Moleküle und Proteinsequenzen denen des Schilddrüsengewebes sehr ähnlich sind, kann es zu einer Verwechslung (molekulare Mimikry = Nachahmung) kommen und es wird, zusätzlich zu den eigentlichen Glutenpartikeln, versehentlich körpereigenes Gewebe angegriffen, was die Entstehung einer Autoimmunkrankheit mit sich zieht.

Darüber hinaus erleben 50% der Menschen mit Glutenempfindlichkeit eine molekulare Mimikry mit Kasein (einem Protein, das in Milchprodukten vorkommt). Dies wird als Kreuzreaktivität bezeichnet, bei der man nicht nur auf den ursprünglichen Auslöser, sondern auch auf einen anderen Auslöser reagiert, der ersterem ähnelt.

Der Konsum von Gluten kann sich bei Menschen mit Glutensensitivität auch auf die Schilddrüse auswirken. (10)

Dank des undichten Darms können die Proteine jedes Mal, wenn Gluten und Milchprodukte konsumiert werden, in den Blutkreislauf gelangen und dort einen Angriff des Immunsystems auslösen. Wie bereits erwähnt, landet dann, aufgrund des Phänomens der molekularen Mimikry, auch das Schilddrüsengewebe im Fadenkreuz.

Das Weglassen von Gluten und Milchprodukten bei Hashimoto und Autoimmunerkrankungen im Allgemeinen kann daher förderlich für die Erholung der Darmschleimhaut und des Immunsystems sein. Der Darm kann sich reparieren, die Entzündungen lassen nach und somit auch die Angriffe auf die Schilddrüse.

Analysiere dein Mikrobiom und erfahre, was du tun kannst, um es gesund zu halten! (11)

Auch hier zeigt sich wieder, wie wichtig es ist, gut auf dein Mikrobiom zu schauen, um Erkrankungen wie Leaky Gut vorzubeugen. Die Bewohner in deinem Darm freuen sich über viele Ballaststoffe aus deiner Ernährung, ausreichend Wasser und Bewegung.

Weißt du denn, wie es um dein Mikrobiom steht? Nein? Dann teste es hier und wir helfen dir dabei, dies herauszufinden. 🙂

Publikationen/Sources:

(1) https://www.amymyersmd.com/2017/12/gluten-blame-hashimotos/

(2) https://www.medicalnewstoday.com/articles/318606.php#2

(3) Fasano, A. (2012). “Leaky gut and autoimmune diseases.” Clin Rev Allergy Immunol 42(1): 71-78.

(4) Vojdani, A. (2015). “Molecular mimicry as a mechanism for food immune reactivities and autoimmunity.” Altern Ther Health Med 21 Suppl 1: 34-45.

(5) Cusick MF, Libbey JE, Fujinami RS. Molecular mimicry as a mechanism of autoimmune disease. Clin Rev Allergy Immunol. 2012;42(1):102–111. doi:10.1007/s12016-011-8294-7

(6) https://www.huffpost.com/entry/4-reasons-gluten-and-autoimmune-disease-dont-mix_b_599c7abfe4b0521e90cfb5a3

(7) Belton, P.S., On the elasticity of wheat gluten. J. Cereal Sci., 29: https://slideplayer.com/slide/10369118/

(8) https://medium.com/@junereynolds/gluten-the-mystery-substance-976c0e70d91d

(9) https://thenaturalthyroiddoctor.com/gluten-and-the-thyroid/

(10) https://justinhealth.com/hashimotos-gluten-connection/

(11) https://mycipc.com/microbiome-health/

Therapieresistente Bauchschmerzen und SIBO

…, wenn sich dein (Dickdarm-) Mikrobiom am falschen Platz befindet.

Da unser Wissensstand rund um das Mikrobiom in den letzten Jahren maßgeblich gestiegen ist, ist nun auch der Blick der Forschung immer mehr auf SIBO (engl. small intestinal bacterial overgrowth) gerichtet.

Immer öfter äußert sich die Fehlbesiedlung und Überwucherung von Bakterien im Dünndarm als Krankheitsbild.

Doch was passiert hierbei nun genau? Ist dies eine Antwort auf therapieresistente, unerklärbare Bauchschmerzen? Komm mit und ergründe dieses Thema gemeinsam mit uns!

Eingangs ist zu erwähnen, dass SIBO sich meist ebenso durch unspezifische Beschwerden äußert. Dies kann es schwierig machen, es vom Reizdarmsyndrom zu unterscheiden.

Pathophysiologie (Lehre von den Krankheitsvorgängen und Funktionsstörungen) bei SIBO. (1)

Genauer gesagt handelt es sich dabei um ein “Zuviel” an ungünstigen Bakterien im Dünndarm, was zu Symptomen wie Blähungen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Müdigkeit und Veränderungen beim Stuhlgang führt.

Es kann sogar so weit reichen, dass Fette, Proteine und Mikronährstoffe nicht mehr richtig vom Körper aufgenommen werden (Malabsorption). Zudem begünstigen Operationen, die die Bewegungen des Dünndarms beeinflussen, ein potenzielles Auftreten von SIBO.

Eigentlich enthalten der Magen, sowie der Anfangsteil des Dünndarms nur sehr wenige Bakterien. Die Menge dieser wird zum Großteil von der Magensäure, der Gallenflüssigkeit, von Enzymen (ermöglichen chemische Reaktionen im Körper) und Immunglobulinen (Eiweißmoleküle zur Bekämpfung von Krankheitserregern), sowie von Darmbewegungen (Peristaltik) in Schach gehalten.

Wie im Bild dargestellt, erkennt man deutlich die Steigerung von Bakterien je mehr man sich dem Dickdarm nähert. (2)

Je näher man sich über die „Weiterleitung“ des Dünndarms über die Ileozökalklappe (trennt die beiden Strukturen) dem Dickdarm nähert, desto mehr Bakterien können gefunden werden, die eigentlich im Dickdarm zu Hause sind.

Normale, weiterleitende Darmbewegungen, sowie eine funktionierende Ileozökalklappe sind Voraussetzung, um ein „Rückwärtswandern“ der Bakterien vom Dickdarm in den Dünndarm zu verhindern.

Entstehen kann SIBO also nun entweder durch anatomische, immunologische, sowie enzymatische Probleme, oder, wenn die beiden wichtigsten regulatorischen Mechanismen, Darmbewegungen und Magensäureproduktion, zur Kontrolle der Bakterienzahl im Dünndarm verändert sind.

Diagnosepunkte für SIBO. (1)

Darmkontraktion bezwecken den Weitertransport des Nahrungsbreis, sowie auch von Mikroorganismen. Ist diese Bewegung eingeschränkt, beispielsweise durch bestimmte Medikamente oder Diabetes mellitus, kann das die Fähigkeit des Dünndarms zur Selbstreinigung beeinträchtigen.

Die genaue Definition von SIBO lautet daher: Bakterielle Überwucherung definiert durch eine abnormal hohe Bakterienmenge und gleichzeitig auch das Vorliegen von “falschen” (Dickdarm-) Bakterien im Dünndarm, welche Kohlenhydrate zu Gas fermentieren können.

Des Weiteren kann es dadurch zu einer Schädigung der Schleimhaut des Dünndarms kommen, was dazu führen kann, dass essentielle Bausteine (Kohlenhydrate, Proteine, Fette, Eisen, Vitamin B12) aus der Nahrung nicht mehr aufgenommen werden können.

Diagnose und möglicher Therapiealgorithmus bei Verdacht auf SIBO. (1)

Diese Bausteine dienen nun wiederum den Mikroorganismen als Futter, was in weiterer Folge (durch Fermentierungsprozesse) zu einem Aufgeblähtsein/Blähungen, sauren Stühlen, oder Defiziten in der Nährstoffversorgung führt.

Eine Therapie von SIBO gestaltet sich daher wie folgt:

1. Korrektur zugrundeliegender Erkrankungen oder anatomischer Besonderheiten – sofern dies möglich ist

2. Antibiotikatherapie oder Verwendung von pflanzlichen Substraten

3. Anpassung der Ernährung

Die Reduktion von fermentierbaren Kohlenhydraten ist eine wirksame Adaption der Ernährung, um Symptome zu kontrollieren.

Regelmäßige Bewegung ist unglaublich wichtig für dein Mikrobiom, dein Gehirn und deinen gesamten Körper. (3)

Zusammenfassend ist erneut zu betonen, wie wichtig es für uns ist, gut auf unser Mikrobiom zu schauen, genügend zu trinken, sich ausreichend zu bewegen und sich gesund zu ernähren.

All dies unterstützt Verdauungsprozesse und -bewegungen, damit diese regelrecht vonstattengehen können und sich deine Bakterien nicht vom Dickdarm in den Dünndarm verirren.

Auch gesunde Ernährung trägt maßgeblich zu einem widerstandsfähigen Mikrobiom bei. So bleibst du leistungsfähig und fit im Alltag! (4)

Nächste Woche nehmen wir dich mit auf die Reise, genauer herauszufinden, was denn SIBO mit Hashimoto-Thyreoiditis (chronische Entzündung der Schilddrüse) zu tun hat. Also, stay tuned! 🙂

Weißt du denn schon, wie es um die Beschaffenheit deines Mikrobioms steht? Nein?

Dann teste es gleich hier und wir unterstützen dich dabei, das herauszufinden.

Publikationen/Sources:

(1) Dr. med. Martin Wilhelmia; Diana Studerus, E. B. S. D. m. M. D. P. D. m. S. V. (28.02.2018). ” Die Antwort auf therapierefraktäre Bauchbeschwerden?; SIBO: «small intestinal bacterial overgrowth» “. from https://medicalforum.ch/article/doi/smf.2018.03208.

(2) https://reizdarm.one/erkrankungen/duenndarmfehlbesiedlung-sibo/

(3) https://www.pexels.com/photo/exercise-female-fitness-foot-601177/

(4) https://www.pexels.com/photo/flat-lay-photography-of-vegetable-salad-on-plate-1640777/

Verdauungssystem und Mikrobiom …

… Arbeitet diese “Fabrik” in uns denn richtig?

„Gut gekaut ist halb verdaut.“ – Komm und ergründe in unserem neuen Blogartikel gemeinsam mit uns, was es mit diesem Sprichwort auf sich hat.

Zugegebenermaßen, jeder von uns kennt es: Das hastige Essen am Schreibtisch oder während dem Autofahren oder das unachtsame Greifen in die Chipstüte neben der Lieblingsfernsehsendung. Oft nehmen wir Nahrung in stressigen Situationen zu uns oder denken eigentlich gar nicht viel darüber nach, achtsam zu essen und uns für unsere Mahlzeiten Zeit zu nehmen, um diese mit allen Sinnen zu genießen.

Stress beeinflusst unseren Körper und auch unser Mikrobiom auf vielen Ebenen. (2)

Dass dies aber viele von uns an Blähungen, Sodbrennen oder Verstopfung leiden lässt, dem schenken wir, oft aus Bequemlichkeit, leider nicht so viele Gedanken. Hast du dich denn eigentlich schon einmal gefragt, warum das so ist?

Diese häufig auftretenden Verdauungsbeschwerden können tatsächlich mit gestresstem Essen zusammenhängen. Um das besser zu verstehen, schauen wir uns einmal die normale Funktionsweise der Verdauung genauer an.

Verdauung kann als eine Art Aufteilung von Nahrung definiert werden, um so die Aufspaltung von Nährstoffen zu ermöglichen. Denn im Grunde genommen sind wir eigentlich nicht das, was wir essen, sondern das, was wir resorbieren. Was nützt es uns also nun, auf gesundes Essen zu achten, wenn wir dabei unsere Verdauung komplett außer Acht lassen.

Doch wo beginnt denn diese nun eigentlich? Im Mund? Oder doch im Magen?

Verdauung beginnt nämlich im Gehirn: Schließt man für einen Moment die Augen und stellt sich eine leuchtend gelbe Zitrone vor, deren Saft man auspresst, wird man, sobald man die Augen wieder aufmacht, bemerken, dass sich bereits vermehrte Speichelbildung im Mund eingestellt hat. Dies gilt auch für die Magensäureproduktion.

Nehmen wir nun weiter an, dass wir uns die Zeit genommen haben, einen köstlichen Salat mit Lachs zu kreieren.

Wenn nun der erste Bissen im Mund angelangt ist, sind die Enzyme (Stoffe, die biochemische Spaltprozesse anregen) im Speichel schon bereit, die Kohlenhydrate im Salat und das Fett im Lachs abzubauen. Gründliches Kauen jedes Bissens trägt dazu bei, die Nährstoffe später noch besser aufzunehmen.

Nach dem Schlucken des Nahrungsbreis ist die nächste Station der Magen, welcher Magensäure absondert. Neben dem Schutz vor potenziellen bakteriellen oder viralen Eindringlingen, die sich in unseren Speisen verbergen können, ist es wichtig, dass Eiweiß abgebaut und Mineralien in unserer Nahrung freigesetzt werden.

Stellen der Vitamin B 12 -Resorption und Ursachen für einen Mangel. (3)

Übrigens ist Lachs reich an Vitamin B12, dessen Resorption von der Magensäure abhängig ist. Im Magen sorgen das Enzym Pepsin und die Magensäure dafür, dass Proteine aufgespalten und das Vitamin B12 so freigesetzt wird.

B12 bindet sich im Magen nun an körpereigene Transport-Proteine, die das Vitamin so in den Dünndarm transportieren.

Vitamin B12 ist ein kritischer Nährstoff. Es unterstützt neurologische Funktionen, schützt sowohl das Gedächtnis und hält uns bei guter Laune.

Als nächstes wandert die teilweise verdaute Nahrung vom Magen in den Dünndarm, wo über 95% der Nährstoffaufnahme stattfindet. Um dies zu ermöglichen, müssen die Bauchspeicheldrüse und die Gallenblase ihre „Verdauungsmagie“ walten lassen.

Die Bauchspeicheldrüse sondert erneut Enzyme ab, um Eiweiß, Kohlenhydrate und Fett weiter abzubauen, die Gallenblase scheidet Galle aus.

Galle hilft dabei, das Fett aus unserer Nahrung zu ziehen, um dieses dann für den Körper verwertbar zu machen. Gesunde Fette sind überaus wichtig für unseren Körper, denn beispielsweise bestehen über 60% unseres Gehirns aus Fett.

Im Dickdarm dient unser ballaststoffreicher Salat als zusätzliche Mahlzeit für gutartige Darmbakterien. Diese unterstützen uns dabei, den Stoffwechsel anzukurbeln, ein Hormongleichgewicht aufrechtzuerhalten, Vitamine zu synthetisieren (zum Beispiel Vitamin K für unsere Knochen und Biotin für gesunde Haare und Nägel). Ebenso verhindern Ballaststoffe Verstopfung. Deshalb ist es wichtig, dass wir unser Mikrobiom mit sehr viel Ballaststoffen füttern.

Lachs enthält beispielsweise gesunde Fette, die sehr wichtig für uns und unser Mikrobiom sind. (4)

Vorausgesetzt, wir trinken nun ausreichend und essen ballaststoffreich, führen rhythmische Verdauungskontraktionen zur Ausscheidung der Nahrungsreste.

Doch ein sehr wichtiges Bindeglied unserer “Fabrik” haben wir noch vergessen: unser Nervensystem, das unsere gesamte Verdauung reguliert. Stress während Mahlzeiten wirkt sich besonders stark auf dieses aus, was die normale Verdauungsphysiologie stören kann.

Der Körper befindet sich im sogenannten “Kampf oder Flucht”- Modus. In diesem wird das gesamte Verdauungssystem gehemmt, was zu häufigen Beschwerden führen kann. Wenn wir eine Mahlzeit zu uns nehmen, während wir uns gestresst fühlen, verschwenden wir keine Gedanken an das Essen, geschweige denn an das Kauen. Schlecht gekaute Lebensmittel werden in einen nicht optimal mit Säure vorbereiteten Magen transportiert. Das führt zu einem unangenehmen Gefühl im Oberbauch.

Am Eingang unseres Magens haben wir eine Art „Schutztor“, welches verhindert, dass Säure zurück in die Speiseröhre gelangt. Leider können einige unserer beliebtesten Lebensmittel und Getränke, wie Kaffee, Schokolade und Alkohol, zu einer Funktionsstörung dieses Tors beitragen. Übergewicht kann zusätzlich belasten und ein gesteigerter “Kampf oder Flucht” -Modus kann die Symptome von Sodbrennen verstärken.

Während es ernsthafte Krankheiten gibt, die die Einnahme von säureblockierenden Medikamenten erfordern, kann deren wahllose Zufuhr über einen langen Zeitraum riskant sein und die Wahrscheinlichkeit eines Calcium- oder Vitamin B12-Mangels erhöhen.

Im Dünndarm hemmt Stress die Verdauungsfunktion der Bauchspeicheldrüse und der Gallenblase. Schlechte Bakterien können dann die Nahrung zersetzen, wobei Gas als Nebenprodukt entsteht, was zu einem Aufgeblähtsein führt.

Stress unterdrückt die normalen Kontraktionen im Dickdarm. Kombiniert mit einer Aufnahme von viel zu wenig Ballaststoffen und Flüssigkeit führt dies zu Verstopfungen.

Anatomie des autonomen Nervensystems und seiner sympathischen (Kampf oder Flucht) und parasympathischen (Ruhe und Verdauung) Zweige. Viele Organe erhalten Signale von diesen. (5)

Fühlen wir uns aber während der Nahrungsaufnahme entspannt (“Ruhe und Verdauungs”-Modus), kann diese regelrecht vonstattengehen. Rhythmische Kontraktionen im Darm bewegen die Nahrung sanft weiter.

Wir essen, wir verdauen, wir nehmen auf, wir scheiden aus. Durch das Zeitnehmen beim Essen haben wir so die Nährstoffaufnahme positiv beeinflusst.

Zusammenfassend tut es uns also richtig gut, sich für das Essen Zeit zu nehmen, tief durchzuatmen, richtig zu kauen und zu entspannen.

Unsere Einstellung gegenüber Mahlzeiten beeinflusst die Verdauung und letztendlich die Nährstoffe, die wir aufnehmen. Also im Grunde genommen, was wir sind und werden.

Für eine optimale Gesundheit muss nicht nur darauf geachtet werden, was wir essen, sondern auch, wie wir essen.

Auch unser Darm-Mikrobiom freut sich sehr darüber! Hast du deines denn schon testen lassen?

Verwendete Quellen:

(1) Healthy Digestion – Not What, But How? | Courtney Jackson | TEDxMontrealWomen, https://www.youtube.com/watch?v=P6_36Axaebs

(2) https://www.pexels.com/photo/design-desk-display-eyewear-313690/

(3) Wong, Cw. (2015). Vitamin B12 deficiency in the elderly: Is it worth screening?. Hong Kong medical journal = Xianggang yi xue za zhi / Hong Kong Academy of Medicine. 21. 10.12809/hkmj144383. / https://www.researchgate.net/figure/Sites-of-vitamin-B-12-absorption-and-causes-of-deficiency-Abbreviations-B-vitamin-B-12_fig1_309856556

(4) https://www.pexels.com/photo/brown-fish-fillet-on-white-ceramic-plate-46239/

(5) Eckstein, Maria & Guerra-Carrillo, Belén & Miller Singley, Alison & Bunge, Silvia. (2016). In press version of ms.