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Depression: Liegt die Ursache im Darm?

22. Juli 2019  

1. Der Darm – voller Nerven?!

Wusstest du, dass deine Darmbakterien deine Psyche beeinflussen? Ob du nur so sprühst vor Tatendrang oder ob du dich zu nichts aufraffen kannst, wird von deinem Mikrobiom mit beeinflusst. Könnte es sogar sein, dass der Grund einer Depression nicht im Gehirn, sondern im Darm liegt? Diesen faszinierenden Gedanken gehen wir heute auf den Grund und zeigen dir die 10 wichtigsten Fakten über die Darm-Hirn-Achse!

Damit wir klären können, ob die Darmbakterien unseren seelischen Zustand überhaupt beeinflussen können, sehen wir uns zuerst an, wie Darm und Hirn zueinander stehen. Erstaunlicherweise besitzt der Darm nach dem Gehirn das zweitgrößte Nervennetzwerk des Körpers 100 Millionen Nervenzellen liegen im Darm! Das ist ganz schön beeindruckend, gehen wir doch meistens davon aus, dass fast alle unsere schlauen Nervenzellen im Gehirn sitzen. Tatsächlich ist der Darm aber besonders gut vernetzt – seine Nerven sorgen einerseits dafür, dass die komplexen Verdauungsbewegungen und das Weiterschieben der Nahrung (weiter unten des Stuhls) geregelt ablaufen. Andererseits sind die Nervenzellen auch mit der Aufgabe betraut, Informationen aus dem Darm zu sammeln und diese weiterzugeben… auch an das Gehirn. (1)

2. Kontrolliert das Gehirn den Darm?

Besonders interessant ist auch, dass der Darm sich zum Teil selbst steuert. Anders als zum Beispiel die Beinmuskulatur, braucht der Darm nicht unbedingt ein Gehirn, dass ihm sagt, dass er sich bewegen soll. Der Darm ist ein selbstständiges Organ! (1)

Trotzdem kann das Gehirn mitreden – zum Beispiel in Stresssituationen, wie wir es alle kennen. Vor einer großen Prüfungen, wenn die Nervosität ihren Höhepunkt erreicht, meldet sich der Darm und gibt ein besonders dringendes Geschäft an. In diesen Momenten übernimmt der sogenannte Sympathikus den Körper. Das sind Nerven aus dem Gehirn, die den Körper in Stresssituationen auf Flucht oder Kampf vorbereiten. Unnötiger Ballast hat da keinen Platz mehr. So kann das Gehirn die Darmbewegung, aber auch den Einsatz von Flüssigkeiten und Botenstoffen im Darm beeinflussen. Da kann sich auch nicht der Darm widersetzen… (1, 2)

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Stress hat wesentliche Auswirkungen – nicht nur auf unseren seelischen Zustand, sondern auch auf unseren Darm.

3. Wenn der Darm das Gehirn steuert

Viel spannender wird es jetzt: Nicht nur das Gehirn beeinflusst den Darm, sondern auch umgekehrt kann der Darm das Gehirn beeinflussen. Dafür gibt es verschiedene Wege. Einerseits stellen die Darmzellen Botenstoffe (Hormone) her, die über das Blut ins Gehirn gelangen. Andererseits kann der Darm auch über seine Nerven Botschaften an das Gehirn schicken. Dabei verwendet der Darm übrigens dieselben Hormone wie das Gehirn. Aber nicht nur Darmzellen stellen Hormone her, sondern auch Zellen des Immunsystems (von denen es im Darm nur so wimmelt). Alle das kann dem Gehirn mitteilen, wie es dem Darm gerade geht und bestimmt, wie das Gehirn damit umgeht. (1, 2)

4. Manipulieren uns unsere Darmbakterien?

Wer hätte das gedacht – unsere Darmbakterien helfen nicht nur bei der Verdauung, sie sind auch überaus aktiv und stellen ihre eigenen Produkte her. Einige dieser Produkte agieren als Botenstoffe, andere pflegen unsere Darmschleimhaut, wieder andere können ihr auch schaden. Auf jeden Fall bestimmen diese Produkte der Darmbakterien mit, wie es unseren Darmzellen ergeht und beeinflussen, was der Darm über sein Wohlbefinden mitteilt. Manche von ihnen könnten sogar direkt am Gehirn und so möglicherweise an unsere Stimmung mitwirken. Der Schlüssel, wie die Darmbakterien unser Gemüt beeinflussen, liegt aber in einem ganz besonderen Hormon… (1, 2)

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Könnte der Darm der Ursprung unserer psychischen Gesundheit sein?

5. Schlüsselstelle Serotonin

Serotonin wird oftmals als “Glückshormon” bezeichnet und ist einer der wichtigsten Botenstoffe des Gehirns. Dabei verwenden es viele Nervenzellen um miteinander zu kommunizieren. Besonders wichtig ist Serotonin im Zusammenhang mit der Entwicklung des Gehirns in frühen Jahren und unseren Gefühlen. Gerade deswegen nimmt es auch eine Schlüsselstelle bei psychischen Krankheiten, wie Depressionen und Angststörungen, ein. Die genauen Ursachen für diese Erkrankungen sind nicht vollständig geklärt, viele Wissenschaftler gehen aber davon aus, dass ein Mangel an Serotonin vorliegt oder dieses zumindest nicht am richtigen Ort ausreichend verfügbar ist. Das würde auch erklären, warum Medikamente, die den Abbau oder Abtransport von Serotonin hemmen, so gut wirken. (1, 2)

6. Der Darm: die Serotonin-Schatzgrube

Aber was hat Serotonin nun mit den Darmbakterien zu tun? Dazu kommen wir jetzt. Der Großteil unseres Serotonins befindet sich nämlich nicht im Gehirn. Stattdessen liegen 95 % unseren gesamten Serotonins im Darm! Dort ist es nämlich einer der bedeutendsten Botenstoffe des Darm-Nervennetzwerks und bestimmt zum Beispiel die Darmbewegungen. Genau weil der Darm unsere Serotonin-Schatzgrube ist, ist es denkbar, dass der eigentliche Serotonin-Mangel im Darm und nicht im Gehirn beginnt. (1, 2)

7. Die Darmbakterien regulieren Serotonin

Depressionen und Angststörungen könnten ihren Anfang also im Darm nehmen. Wie wir schon gehört haben, beeinflusst unser Mikrobiom den Darm in vielerlei Hinsicht. Genauso ist es auch bei der Serotonin Herstellung – auch hier greifen die Darmbakterien ein. So produzieren die Bakterien zum Beispiel kurzkettige Fettsäuren, die einerseits die Darmschleimhaut pflegen, andererseits aber auch den Darmzellen signalisieren, ob und wie viel Serotonin sie herstellen sollen. (1, 2)

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Serotonin-Mangel könnte die Ursache für Depressionen sein. Dieser Mangel beginnt möglicherweise im Darm.

8. Serotonin aus der Nahrung

Außerdem brauchen unsere Darmzellen einen bestimmten Grundbaustein, das sogenannte Tryptophan, um Serotonin erst herstellen zu können. Dabei handelt es sich um eine Aminosäure, die in Eiweißen enthalten ist. Unser Körper kann Tryptophan nicht selbst herstellen, deswegen müssen wir es regelmäßig mit der Nahrung aufnehmen. Man findet Tryptophan zum Beispiel in Eiern, Joghurt, Datteln, Cottage Cheese, Hafer, Mandeln, Schokolade und vielem mehr. Aber auch hier, bei der Aufnahme von Tryptophan, mischen sich die Darmbakterien ein. Sie beeinflussen nämlich wie viel Tryptophan aus unserer Nahrung unsere Darmzellen überhaupt erreicht und wie viel wir in Folge aufnehmen können. (2, 3)

9. Macht das Mikrobiom psychisch krank?

Das ist noch schwer zu sagen. Welche Bakterienarten, wo und wie genau eingreifen ist noch nicht abschließend geklärt. Allerdings konnten mehrere Studien bereits zeigen, dass bestimmte Bakterien mit psychischen Erkrankungen in Verbindung stehen. So sind bei Menschen mit Depressionen zum Beispiel einige Bakterien, wie Anaerostipes, Klebsiella, und Streptokokkus erhöht. Andere Bakterienarten fehlen bei diesen Menschen hingegen, wie Faecalibakterium und das Milchsäurebakterium Bifidobakterium. (4)

10. Was kann man dagegen tun?

Du siehst, die Darm-Hirn-Mikrobiom Achse ist ein komplexes System, an der noch viel entdeckt werden kann. Klar ist jedoch, dass Depressionen und Angststörungen eng mit Serotonin zusammenhängen und dieses sich zum Großteil im Darm befindet, wo es von den Darmbakterien beeinflusst wird. Allerdings gibt es für psychische Erkrankungen unglaublich viele Faktoren, die an der Entstehung mitwirken und Darm & Mikrobiom sind nur ein Teil der Antwort. Viel wichtiger als eine gesunde Ernährung ist es aber sich Hilfe zu suchen und ehrlich darüber zu reden, wenn es uns psychisch nicht gut geht. Ein Besuch beim Arzt oder Therapeuten ist unglaublich wichtig und stellt keine Schande dar.

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Wir sollten alle mehr auf unsere psychische Gesundheit achten und mehr darüber sprechen!

(1) Khlevner J, Park Y, Margolis KG. Brain-Gut Axis: Clinical Implications. Gastroenterol Clin North Am. 2018;47(4):727-739.

(2) Martin CR, Osadchiy V, Kalani A, Mayer EA. The Brain-Gut-Microbiome Axis. Cell Mol Gastroenterol Hepatol. 2018;6(2):133-148.

(3) Holden, Joanne. USDA National Nutrient Database for Standard Reference, Release 22. Nutrient Data Laboratory, Agricultural Research Service, United States Department of Agriculture.

(4) Cheung SG, Goldenthal AR, Uhlemann AC, Mann JJ, Miller JM, Sublette ME. Systematic Review of Gut Microbiota and Major Depression. Front Psychiatry. 2019;10:34.

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